Evangelische Kirche untersucht NS-Vergangenheit von Mitarbeitern

Als erste deutsche Landeskirche prüft die evangelische Kirche in Bayern ihren Umgang mit NS-belasteten Mitarbeitenden nach 1945. Auslöser war ein Pfarrer der Landeskirche, der seine Nazi-Vergangenheit jahrelang verheimlicht hatte.


Bisher habe noch keine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein solches Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, teilte die Landeskirche am Freitag mit. Leiter des zweijährigen Projekts ist der Historiker und Pfarrer der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Björn Mensing.

Geforscht werde im Bereich der Pfarrer, Diakone, Kirchenjuristen und Kirchenbeamten im gehobenen und höheren Dienst, teilte die Landeskirche weiter mit. In den Blick genommen würden auch die «weltlichen» Mitglieder der bayerischen Landessynode. Insgesamt geht es den Angaben zufolge um mehr als 2’300 Personen. Für die Forschungsarbeit würden die Personalakten im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg und Bestände im Bundesarchiv in Berlin ausgewertet. Ausserdem sollen Interviews mit Zeitzeugen geführt werden.

Vom SS-Hauptsturmführer zum Pfarrer

Auslöser des Projekts waren Recherchen der Zeitung Fränkischer Tag, die über den 1987 verstorbenen evangelischen Pfarrer und Religionslehrer Alfred Schemmel berichtet hatte. Schemmel war von 1942 bis 1944 SS-Hauptsturmführer im Konzentrationslager Auschwitz. Nach 1945 fälschte er seine Biografie. «Der Fall warf die Frage auf, wie die bayerische Landeskirche damals verfahren ist, als sie Personen in ihren Dienst nahm, die durch ihre nationalsozialistische Vergangenheit möglicherweise erheblich vorbelastet waren», erläuterte die Landeskirche. (epd)