Syrischer Patriarch: «Europa spaltet Muslime und Christen»

Der melkitische Patriarch Gregoire III. Laham hat sich gegen Frankreichs Angebot einer erleichterten Aufnahme für Christen aus dem Irak gewandt und scharfe Kritik an der westlichen Nahostpolitik geübt.

Patriarch Gregoire III. Laham wurde 1933 in Darayya bei Damaskus geboren, wo Paulus seine Christusvision gehabt haben soll. Bild: Wikimedia

«Wir brauchen nicht jemanden, der uns aufnimmt, sondern jemanden, der uns hilft, in unserem Land zu bleiben», sagte das Oberhaupt der vor allem im Libanon und in Syrien verbreiteten Kirche. Die internationale Gemeinschaft solle die Bevölkerung im Nahen Osten im Kampf gegen Terrorismus und islamistische Extremisten unterstützen. «Das wäre eine echte Leistung, eher als uns zu Flüchtlingen zu machen und uns Sympathie und Hilfe zu versprechen», so Gregoire III. gegenüber der libanesischen Tageszeitung «Daily Star». «Wir möchten in unserem Land sein und an der Seite unserer muslimischen Brüder leben, trotz aller Probleme.»

Vorwurf der verfehlten Nahostpolitik

Frankreichs Regierung hatte sich am Montag bereit erklärt, christlichen Flüchtlingen aus dem Nordirak Asyl zu gewähren. Der Patriarch warf westlichen Nationen hingegen eine verfehlte Nahostpolitik vor. «Alles, was Europa seit 50 Jahren getan hat, ist, Muslime und Christen zu spalten», erklärte er laut «Daily Star». Europa solle stattdessen die Einheit zwischen arabischen Staaten und Muslimen fördern. Dies diene letztlich auch einer «Einheit zwischen Christen und Muslimen».

Gregoire III. ist seit 2000 der ranghöchste Geistliche der melkitisch-katholischen Ostkirche mit rund 1,6 Millionen Mitgliedern. Sein Patriarchatssitz befindet sich in Damaskus.