Erklärfilm soll Umdenken in der Wirtschaft fördern

Arbeiten, die kein Geld einbringen, finden in der Gesellschaft meist nur wenig Beachtung. Der Verein «Wirtschaft ist Care» will das ändern – und hat dafür ein aufwändig gestaltetes Video produzieren lassen.

Wirtschaft ist Care from Guave Motion on Vimeo.

Der sechs Minuten lange Film des Vereins «Wirtschaft ist Care» (WiC) blickt mit einer eigenen Perspektive auf die Wirtschaft. Was wäre, wenn Eltern sich nur dann um ihre Kinder kümmern würden, wenn sie dafür Geld erhielten? Abhängig seien aber nicht nur Säuglinge – wir alle seien, bedingt durch die Arbeitsteilung, voneinander abhängig.

Wertschätzung geniesse indes nur, was Geld einbringt, führt das Video weiter aus. Die oftmals von Frauen erbrachte unentgeltliche Arbeit finde dagegen kaum Beachtung. Nach Absicht des Vereins WiC soll das Wohlergehen aller künftig im Vordergrund stehen.

«Es geht nur ums Geld»

Der Film sei als Denkanstoss gedacht und richte sich an ein breites Publikum, sagt WiC-Mitgründerin Ina Praetorius auf Anfrage. «Es kann auch Lehrpersonen als Lektionseinstieg dienen, beispielsweise im Fach Wirtschaftskunde.»

Insbesondere hofft der Verein, dass damit Wirtschaftsvertreter, aber auch Vertreter von Forschung und Lehre an Universitäten erreicht werden. Denn an Universitäten werde zwar «geforscht, aber zu wenig grundsätzlich nachgedacht», sagt die reformierte Theologin.

Zwar behaupte die Wirtschaft, es gehe darum, planvoll die Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen. In der Praxis gehe es aber meist nur ums Geld. «Wir wollen, dass sich die Wirtschaft wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe besinnt», sagt Praetorius. So müsse der unbezahlten Arbeit, Gender-Aspekten und der ökologischen Zukunftsfähigkeit der nötige Raum gegeben werden.

Anfrage aus Argentinien

Die Veröffentlichung über das Videoportal Vimeo in Deutsch und Englisch habe zu grosser Resonanz geführt. Beispielsweise gebe es eine Anfrage aus Argentinien, ob das Video nun auch auf Spanisch übersetzt werde.

Den Film bezeichnet Praetorius als aktuell wichtigstes Instrument des Vereins, um ein Umdenken zu fördern. Ein weiteres Gefäss dafür werde die Frauensynode sein, welche am 5. September 2020 in Sursee im Kanton Luzern stattfindet.

Produktionszeit: Ein Jahr

Laut Preatorius wurde der Film, der vom Schweizer Animationsstudio Guavemotion aus Au bei Wädenswil realisiert wurde, fürs Animationsfestival Fantoche in der Kategorie Auftragsfilm nominiert. Die Produktion habe ein Jahr gedauert, die Produktionskosten gibt der Verein mit «einiges über 100’000 Franken» an.  (uab/kath.ch)