Er ist einer der berühmtesten Verkäufer für Weihnachtsschmuck

Der Schweizer Johann Wanner ist bekannt für seine Christbaumkugeln: Der 80-Jährige dekorierte schon den Tannenbaum des Papstes, eine amerikanische Zeitung nannte ihn «Father Christmas».

Sein Weihnachtsbaumschmuck-Geschäft in Basel betreibt Johann Wanner seit 50 Jahren. (Bild: Keystone/Johann Wanner)

An jeden Weihnachtsbaum, den Johann Wanner schmückt, hängt er einen Teufelskopf: eine schwarz-rote Fratze mit Hörnern. «Man muss den Dingen ins Auge schauen, sie kontrollieren», sagt der 80-jährige. Diese Haltung hat ihn geprägt, auch als Geschäftsmann. Wenn man eine Treppe herunterfalle, müsse man sie wieder hinaufsteigen und noch mal fehlerfrei heruntergehen.

Johann Wanner ist heute eine Legende, wenn es um festlich geschmückte Christbäume geht. «König der Kugeln» wird er genannt oder «Meister des Baumschmucks». Die Los Angeles Times würdigte ihn Ende der 80er Jahre als «Father Christmas». Sein 50 Jahre altes «Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft» im Herzen der Altstadt von Basel gehört weltweit zu den ersten Adressen für mundgeblasenen und handgefertigten Weihnachtsschmuck. Lady Di soll zu seinen Kunden gezählt haben, das Weisse Haus, Hollywoodstars und der Vatikan.

Tanne auf Petersplatz geschmückt

Beim Gespräch in seinem Basler Geschäft will Wanner nur bestätigen, dass er 1998 auf dem Petersplatz in Rom eine 25 Meter hohe Tanne für Papst Johannes Paul II. geschmückt hat. Ansonsten gibt er sich diskret. «Ein Weihnachtsbaum ist etwas sehr Persönliches, ein Psychologe oder Seelsorger spricht doch auch nicht über seine Klienten», sagt er.

Schon am Eingang seines ganzjährig geöffneten Weihnachtsladens erschallt die Melodie von «Oh Tannenbaum». Adventskalender, Merry-Christmas-Schilder und Weihnachtsmänner stehen im Schaufenster. Die drei Stuben wirken wie eine bunte, überbordende Märchenwelt. Kleine und grossbauchige Christbaumkugeln in Rot, Gold, zartem Hell- oder dunklem Nachtblau, in Lila-Silber oder Lila-Glitzer liegen in Schalen. Glänzende Tannenzapfen, Schnee- und Räuchermännchen sowie pink leuchtende Vintage-Vögel ragen in den Regalen empor oder baumeln von der Decke.

Zurückhaltung bei der Krippe

Johann Wanner mag gerne Engelfiguren und schwarze Weihnachtskugeln am Baum. «In ihnen spiegeln sich die Lichtpunkte, das hat etwas Magisches», sagt er. Zurückhaltend ist er bei den Krippen, beim Jesuskind. «Wir verkaufen zwar Krippen, aber man sollte sich kein allzu detailliertes Bild vom Christkind machen», findet Wanner. Sich selbst bezeichnet das älteste von sechs Kindern aus einem streng katholischen Elternhaus als Eklektiker – er suche sich aus allen Religionen das Passende aus. «Man kann sich alles erlauben, aber man muss es vor sich selbst verantworten können», sagt er.

Wanner erzählt, dass er schon als Kind ein «Weihnächtler» gewesen sei. Zunächst aber lernte er Kaufmann, reiste mit einer «Ente» in den Orient, beschäftigte sich mit Sprachen sowie Kunstgeschichte und eröffnete schliesslich ein Antiquitätengeschäft im Dreiländereck. Als er einen Karton mit altem Christbaumschmuck aus Glas erwarb und sich die Kugeln in Windeseile verkauften, war die Sache klar, schreibt er in seinem Buch «Johann Wanners wunderbare Weihnachtswelt – Tradition und Dekoration des Christbaums.»

Geschäfte in New York und Moskau

Auf der Suche nach traditionellen Glasbläsern reiste Wanner nach Thüringen und in den Böhmerwald. Später begann er, selbst Weihnachtsschmuck zu entwerfen und stellte auf Messen aus. Schliesslich vertrieb er Christbaumschmuck in zahlreichen Geschäften auf der ganzen Welt, von New York über Moskau nach Tokio. Heute steht der Online-Handel im Vordergrund. Für einige Kugeln und Figuren reicht ein monatliches Taschengeld, wer möchte, kann aber auch den Preis eines Mittelklassewagens für einen Weihnachtsbaum ausgeben.

Aus seiner Sicht hat sich die Art, wie Weihnachten gefeiert wird, über die Jahre ins Positive verändert. «Früher war Weihnachten ein Familienfest, das war aber auch eine geschlossene Gesellschaft», blickt er zurück. Menschen, die keine Familie hatten oder einsam waren, seien aussen vor geblieben. «Heute lädt man auch Nachbarn und Freunde ein, das Fest wird viel offener gefeiert.»

Seit rund anderthalb Jahren ist Wanner verwitwet. Er und seine Frau Ursel waren fast so lange verheiratet wie sein Geschäft besteht. Die Zukunft von Wanners Weihnachtstraum ist offen. Wanner sagt, dass sein Sohn nicht übernehmen wolle. Er habe vor kurzem einen Geschäftsführer gehabt, der führte den Laden jedoch nicht so, wie er sich das vorgestellt habe. Aber, sagt Wanner: «Man muss im Leben positiv nach vorne schauen.» Jetzt wird erst mal Weihnachten gefeiert. (epd)