«Weihnachten wurde politisch vereinnahmt»

Alfred Dünnenberger sammelt seit Jahrzehnten alles, was rund um Weihnachten an Kunsthandwerk gefertigt wurde. Im Interview sagt der Sammler, warum die im Museum Burg Zug gezeigten Exponate nicht nur schmuck sind, sondern auch eine volkskundliche Zeitreise.

Der Sammler Alfred Dünnenberger aus Baar. (Bild: zvg)

Alfred Dünnenberger, Ihre Sammlung zählt weltweit zu den bedeutendsten Sammlungen für historischen Weihnachtsschmuck. Vor über 30 Jahren starteten Sie mit dem Sammeln. Wie kam das?

Bereits als Kind hatte ich grosse Freude an alten Dingen wie Bücher und Schallplatten. Dann, im Alter von gut 30, sah ich am Rindermarkt in Zürich einen reich geschmückten Christbaum im Schaufenster stehen. Kurze Zeit später war ich Besitzer von einem Jaguar aus Dresden-Karton, der kurz zuvor noch an der Tanne hing. Es war dieses kleine Raubtier, das den Grundstein für meine Sammlung legte.


Was treibt Sie bis heute an, ausgerechnet Dinge wie Adventskalender, Nikoläuse, Krippen, Engel, Lametta, Wunderkerzen, Christbaumschmuck und Lebkuchen zu sammeln?

Da ist sicherlich die seit meiner Kindheit tiefe Zuneigung für die Weihnachtszeit, die ich bis heute spüre – und wohl auch eine Art Schnittstelle bildete, um mit dem Sammeln zu starten. Zu Beginn konzentrierte ich mich hauptsächlich auf die Schönheit der Objekte, später kam dann mein Interesse an den volkskundlichen Zusammenhängen hinzu, die an weihnächtlichen Dingen immer wieder ablesbar sind. Ohne diesen Fokus wäre meine Sammlung wohl auch nie im Museum Burg Zug gezeigt worden.


«Die Deutschen machten sich vor dem ersten Weltkrieg über die Franzosen lustig – und hängten ein Watteschwein mit Tricolore an den Christbaum.»


Die Ausstellung zeigt Stücke von 1850 bis 1950. Warum diese Zeitspanne?

Die Kuratoren der Ausstellung mussten aus der Fülle meiner Sammlung eine Zeit wählen und schafften damit das, was ich alljährlich im häuslichen Rahmen nur beschränkt kann: Meine Sammlung thematisch zu präsentieren. Erst durch diese Gliederung werden historische Zusammenhänge sichtbar und offen- baren sich die Schätze der Sammlung. Dabei kommen auch die dunklen Seiten vergangener Zeiten zum Vorschein.


Dunkle Seiten?

Ja. Weihnachten wurde regelmässig für politische Zwecke vereinnahmt. Im Deutsch-Französischen Krieg liess Kaiser Wilhelm als ­Siegessymbol in Versailles einen Christbaum aufstellen. In der Ausstellung ist aus dieser Zeit auch ein Schwein aus Watte im Frack mit Tricolore und Zigarre (Bild rechts) zu sehen. Die Deutschen machten sich so schon vor dem Ersten Weltkrieg lustig über die eit­len und lasterhaften Franzosen. Später haben dann auch die Na­tionalsozialisten die Weihnachtssymbole für ihre Zwecke missbraucht. Sie produzierten Christbaumkugeln mit dem Konterfei von Hitler und dem Hakenkreuz oder Adventskalender mit nationalsozialistischen Texten. Es sind gefürchige Objekte, die ich nur in der Ausstellung, und auch dort nur historisch erläuternd, zeige. Zuhause bleibt dieser Teil der Sammlung ganzjährig in der Schachtel.


Wie feiern Sie als Kenner der Weihnachtsmaterie eigentlich Weihnachten?

Wochen vor Weihnachten holen meine Kinder und Enkel vom Estrich die Schachteln mit den vielen weihnächtlichen Dingen herunter – im Gegenzug verschwinden einige Möbelstücke temporär auf dem Dachboden. Danach dekorieren meine Frau und ich das gesamte Haus. Erst am 24. Dezember wird die Weihnachtsstube mit dem Christbaum zur Besichtigung freigegeben, da sind wir altmodisch.


Warum?

Der Advent ist ja die Zeit des Wartens und des Plangens. Bereits als Kind bin ich am 24. Dezember nachmittags vor der Stubentür gesessen und habe das Läuten des Glöckchens herbeigesehnt. Es verkündete die Ankunft des Christkinds. Diese Vorfreude auf den schön dekorierten Christbaum, das geniesse ich bis heute jedes Jahr. Wohl aber auch, weil mir die wiederkehrende Botschaft so wichtig ist: Jesus wurde geboren, Gott wurde Mensch.


Die Ausstellung

Adventskalender, Samichläuse, Engel, Krippen und vor allem Christbaumschmuck: Die Ausstellung «Obacht Weihnacht! – Die Sammlung Alfred Dünnenberger» zeigt mehr als 2000 Objekte im Museum Burg Zug. Öffnungszeiten: Di–Sa 14–17 Uhr, So 10–17 Uhr, bis 31. Januar 2016.

Website Museum Burg Zug

Das Buch

Der Bildband von Alfred Dünnenberger-Hager erläutert die Objekte seiner Sammlung und ist ein Nachschlagewerk für all jene, die besonderes ­Interesse am Thema Weihnachten haben: «O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit», 480 Seiten mit rund 1400 farbigen Fotos und Bildern. Erhältlich im Museumsshop, www.duennenberger-baar.ch, oder über info@burgzug.ch, 78 Franken.

 

Schwein am Christbaum: So machten sich die Deutschen über die Franzosen vor dem Ersten Weltkrieg lustig.