Gegen 200 Personen fanden sich am Samstagmorgen im Saal des Kirchgemeindehauses Zürich-Schwamendingen ein und lauschten den Begrüssungsworten von Heks-Direktor Ueli Locher. Er fragte zuerst rhetorisch, ob der Osteuropatag, zum 27. mal durchgeführt, nicht überholt sei? Nein, er sei ein «Evergreen», was man schon am vollen Saal sehe. Und auch das Heks-Engagement in Osteuropa sei nach wie vor nicht überflüssig, auch wenn die Mauer schon lange gefallen sei.
Darauf gab es eine musikalische Einlage des jungen tschechischen Liedermachers Jan Řepka, der an der Gitarre Mani-Matter-Chansons vortrug, alle auf Tschechisch übersetzt, darunter «Hemmige», «I han es Zündhölzli azündt» und «Dene wos guet geit». Das Publikum verdankte es mit warmem Applaus.
Die Revolution kam am Fernsehen
Moderator Matthias Herren bat darauf Béla Kató auf die Bühne, den reformierten Bischof aus dem rumänischen Siebenbürgen. Kató erzählte in angenehmem, leicht gebrochenem Deutsch von der Zeit vor 25 Jahren, als auch in Rumänien die Ceaucescu-Diktatur gewaltsam zu Ende gegangen war. «Wir haben die Revolution am Fernsehen miterlebt und geweint», erinnerte sich Kató, «mir als jungem Pfarrer war klar, dass jetzt eine Zeit kommt, in der alles möglich ist. Wir mussten handeln. Es reicht nicht, eine Revolution am Fernsehen mitzuerleben. Wir mussten nun gerade als Kirchen ein Signal setzen.»
Mit Hilfe von Heks, das schon vor der Wende in Rumänien aktiv war, konnte man dieses Signal schon rein optisch geben, denn Kirchen, Kirchgemeindehäuser und Pfarrhäuser konnten nun renoviert werden. Dank Heks konnte man aber auch in die Landwirtschaft investieren: Zum einen in die Ausbildung, zum anderen mit der Gründung einer Stiftung für Mikrokredite, die eifrig benutzt wurde.
In den Jahren nach der Wende habe man so rund 4000 Projekte auf die Beine gestellt und damit gegen 22000 Menschen beschäftigen können, so Kató. Rund 95 Prozent der Mikrokredite seien zurückbezahlt worden.
Spitexdienst aufziehen
Als grösstes Probleme bezeichnete Kató heute die Abwanderung: «Wer bezahlt die Renten, wer kümmert sich um die Armen und Pflegebedürftigen?» Deshalb baue man mit Heks einen Spitexdienst in Rumänien auf. In rund 200 Dörfern sei dieser Dienst schon im Einsatz. Durch die Abwanderung habe aber auch die reformierte Kirche die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. «Man kann die Tradition so nicht weitergeben», so Kató.
Peter Merz, Bereichsleiter Ausland des Heks, blickte im grösseren Rahmen auf die Hilfe zurück, die Heks in 25 Jahren in Osteuropa geleistet hatte. «Am meisten haben wir die Länder des ehemaligen Jugoslawiens während des Balkankriegs unterstützt», sagte Merz. Von 1991 bis 2013 seien rund 65 Millionen Franken dorthin geflossen, mit klaren «Peaks» 1995 und 2000. Von 1991 bis 2013 habe Heks Rumänien mit 32 Millionen unterstützt – der zweitgrösste Beitrag in der Osteuropahilfe.
Merz fasste die drei Hauptlinien des Heks-Engagements in Osteuropa zusammen: 1. Die Stärkung und den Aufbau der Landwirtschaft, 2. die humanitäre Hilfe während des Balkankriegs und 3. die Unterstützung der kirchlichen Partner, unter anderem mit Gemeindepartnerschaften.
Blick in die Zukunft
Und was macht Heks in Zukunft in Osteuropa? Bernhard Kerschbaum, Heks-Abteilungsleiter Europa/Asien, erläuterte die wichtigsten Gebiete. Wie Bischof Kató schon gesagt habe, sei die Abwanderung und die damit einhergehende Überalterung ein grosses Problem, dem man mit einem Spitexpflegedienst, sogenannten «Home Care-Projekten» begegnen wolle.
Ein zweites grosses Problem sei der Umgang mit Minderheiten in Osteuropa, insbesondere mit den Roma. Hier wolle Heks einerseits in die Bildung investieren, andererseits aber auch die Wohnverhältnisse der Roma verbessern. Dazu gehöre auch die Legalisierung von illegal erstellten Bauten. Schliesslich wolle man die Einkommens- und Beschäftigungssituation der Roma verbessern. Hier stehe man allerdings noch ganz am Anfang.
Am Nachmittag konnten die Tagungsteilnehmer dann das Wissen über die Heks-Osteuropaarbeit in fünf parallel geführten Workshops vertiefen.