«Ehe für alle»

Diskriminierung steht der Kirche nicht gut an

Es ist diskriminierend, dass Homosexuelle nicht heiraten dürfen. Daran muss sich etwas ändern – auch in der Kirche. Unser Kommentar.

Soll die reformierte Kirche die «Ehe für alle» unterstützen? Die Meinungen sind gespalten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Der Staat darf niemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminieren. Das ist seit dem Jahr 2000 in der Verfassung verankert. Dennoch dürfen Schwule und Lesben noch immer nicht heiraten. Das könnte sich aber ändern, am 26. September entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Öffnung der Ehe.

Zwar geht es dabei nur um die zivile Ehe, die der Staat schliesst. Doch das hat auch Auswirkungen auf die reformierte Kirche, die bisher die zivile Trauung mit einem kirchlichen Segen nachvollzogen hat. Das bringt die Gegner der «Ehe für alle» in der Kirche in Stellung.

Unterhöhlung der kirchlichen Prinzipien

Sie verweisen auf die Schöpfung, Mann und Frau seien von Gott geschaffen und müssten ein Leib werden und fruchtbar sein. Sie sehen eine Institution in Gefahr, die für sie so von Gott gewollt ist.

Die Befürworter halten dagegen, dass die Menschen von Gott geschaffen seien und sich ihre sexuelle Orientierung nicht aussuchen könnten. Vielmehr sei diese ein «Ausdruck geschöpflicher Fülle». Mit diesen Argumenten hat die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) schon 2019 klar für die «Ehe für alle» Stellung bezogen. Ausserdem verweist die EKS  darauf, dass auch in  ihrer Verfassung der Schutz vor Diskriminierung festgeschrieben ist.

«Eine Kirche, die Menschen ausschliesst, ist eine schwache Kirche.»

Damit ist es eigentlich schon alles gesagt. Wenn Schwule und Lesben nicht heiraten dürfen, ist das diskriminierend. Und gerade der Kirche, die sich für Schwache und Minderheiten einsetzen will, steht eine solche Diskriminierung nicht gut an. Damit würde sie eines ihrer wichtigsten Prinzipien unterhöhlen, und der Einsatz dafür wären nur noch leere Worte. Eine Kirche, die Menschen ausschliesst und über sie richtet, ist eine schwache Kirche.

Stärkung der Ehe

Ausserdem ist dies keine Abwertung der Institution «Ehe» zwischen Mann und Frau. Schliesslich wird diese weiterhin bestehen, und sie wird noch immer die Mehrheit bilden – es sei denn, Heterosexuelle heirateten plötzlich nicht mehr. Aber das hätte dann wohl andere Gründe.

«Die Kirche sollte das Konstrukt «Ehe» möglichst allen zugänglich machen»

Vielmehr wäre die Öffnung eine Stärkung, denn es würden dann mehr Ehen geschlossen. Wenn die Kirche hinter dem Konstrukt «Ehe» steht, soll sie es möglichst allen zugänglich machen.

Die Kirche braucht die «Ehe für alle», um sich selbst treu zu bleiben und ihre Lebensentwürfe weiterhin vertreten zu können. Eigentlich eine höchst konservative Position.