Die EVP unterstützt neu den «Marsch fürs Läbe»

Die Koalition der überzeugten Abtreibungsgegner wächst: Neu laufen auch die EVP und die evangelische Allianz beim «Marsch fürs Läbe» mit. EVP-Nationalrätin Maja Ingold ist wenig begeistert. Darin sieht sie eine Stärkung des wertkonservativen Flügels in ihrer Partei.

Neu ist auch die EVP beim «Marsch fürs Läbe» dabei.
Neu ist auch die EVP beim «Marsch fürs Läbe» dabei. (Bild: zvg)

Der Verein «Marsch fürs Läbe» polarisiert. Zweck des Vereins ist gemäss Statuten «die Durchführung von Veranstaltungen zum Schutz des Lebens». Entsprechend führen christliche und rechtskonservative Abtreibungsgegner seit 2010 jedes Jahr einen solchen Marsch in der Stadt Zürich durch.

Damit provozieren sie regelmässig Gegendemonstranten, was wiederum zu grossen Polizeieinsätzen führt. Der Verein tritt kompromisslos gegen jede Form der Abtreibung ein, etwa mit Sprüchen auf seiner Webseite: «Abtreibung ist in nahezu 100 % der Fälle ein furchtbares Unrecht.» «Ein Volk, das seine schwächsten Mitglieder nicht schützt, ist ein sterbendes Volk.»

Freude über Rückhalt

Neuerdings wird der Marsch auch durch die EVP unterstützt, die sich – nach der EDU – als zweite politische Partei der Trägerschaft angeschlossen hat. Daniel Regli, Präsident vom «Marsch für Läbe»: «Wir freuen uns über diese Unterstützung. Wichtig ist, dass die Kräfte, die sich für den Schutz des Lebens einsetzen, angesichts neuer Realitäten – Stichwort Präimplantationsdiagnostik – zusammenarbeiten.»

Auf seiner Website vermeldet der Verein, mit der EVP Schweiz und dem Deutschschweizer Zweig der SEA (Schweizerische Evangelische Allianz) starte man nun mit «deutlich grösserem Rückhalt in kirchlichen Kreisen» zum Marsch 2015.

EVP-Generalsekretär Joel Blunier unterstützt diese Trägerschaft und steht voll hinter der Idee des Marsches: «Er setzt ein Zeichen für lebenswertes Leben, das entspricht der Position der EVP. Wir stehen ein für den Schutz des Lebens vom Zeitpunkt der Zeugung bis zum natürlichen Tod.»

«Retro-Haltung»

Wenig begeistert über die EVP-Trägerschaft ist hingegen die Zürcher EVP-Nationalrätin Maja Ingold. Sie wird am 19. September nicht am Marsch teilnehmen: «Ich bin keine grosse Marschiererin.» Entscheidend ist jedoch weniger ihre mangelnde Marschfreude als vielmehr, dass sie persönlich dem «Marsch fürs Läbe» kritisch gegenübersteht. «Die reaktionäre Haltung der Abtreibungsgegner ist für mich retro.»

In der Schweiz habe das Volk die Fristenregelung gutgeheissen, wonach eine schwangere Frau bis zur 12.Woche eine Schwangerschaft abbrechen kann. Als pragmatische Politikerin gehe sie von diesem Fakt aus, im Gegensatz zu den radikalen Abtreibungsgegnern. Statt das Rad rückwärts zu drehen, gelte es, auf der bestehenden Rechtsbasis nach lösungsorientierten Verbesserungen zu suchen – etwa bei der Beratung angehender Mütter.

 «Nicht ideal»

Ingold findet es nicht ideal, dass die EVP als politische Partei eine Bewegung wie den «Marsch fürs Läbe» unterstützt. Eine Partei habe andere Instrumente zur Verfügung, ihre Interessen zu vertreten als eine zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich mit Demonstrationen Gehör verschafft. Zum Entscheid der EVP-Geschäftsleitung, in der Trägerschaft mitzuwirken, meint sie, es gebe eben in einer kleinen Partei wie der EVP unterschiedliche Ansichten: «Eine kleine Partei hat nicht kleinere Flügel als eine grosse.»

Wertkonservativer?

Bewegt sich die EVP mit ihrer Unterstützung des «Marsches fürs Läbe» in eine wertkonservativere Richtung? «Überhaupt nicht» ist Joel Blunier überzeugt. «Der Schutz des Lebens ist für uns unabdingbares Recht des Menschen – wenn das wertkonservativ ist, dann sind wir das seit Jahrzehnten.»

Maja Ingold sieht das anders: «Die EVP ist wertkonservativer geworden.» Als sie der EVP beigetreten sei, habe das Verhältnis innerhalb der Parteimitglieder zwischen Landes- und Freikirchlern 3:1 betragen. Heute seien die Hälfte Freikirchler. Bereitet diese Entwicklung der Zürcher Nationalrätin Sorge? Ingold: «Ich sähe es gerne, wenn die EVP wieder mehr in der Landeskirche verankert wäre.»

Stefan Schneiter / reformiert.info
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».