«Die Entfernung aller Türen und Zäune ist unmöglich»

In unserer Interview-Serie stellen wir Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kultur und Kirche in loser Folge fünf gleichbleibende Fragen zum Thema Migration und Integration. Teil 2: David Signer, Journalist und Autor.

(Bild: zVg / Bearbeitung ref.ch)

Herr Signer, Migration ist nicht nur eine politische Angelegenheit – was ist ihre moralische Dimension?
In vielen religiösen Ethiken spielt die Gastfreundschaft eine wichtige Rolle. Man soll dem Fremden Aufnahme gewähren. Das heisst auch, in einem erweiterten Sinn: Wir sollen offen sein und den Anderen nicht aussperren, nur weil wir ihn nicht kennen.

 

Ist das Recht auf freie Bewegung ein Menschenrecht?
Dem stehen überall Grenzen entgegen. Die Entfernung aller Türen und Zäune ist unmöglich. Aber es ist eine Utopie, eine Hoffnung.

 

David Signer (Bild: zVg)

David Signer (Bild: zVg)

Wie erleben Sie die Kirchen in der Migrationsdebatte?
Sie hätten viel zu sagen. Das Herumirren, Heimatlosigkeit und Unbehaustheit sind biblische Ur-Themen. Ich empfinde die Stellungsnahmen der Kirche jedoch oft als allzu vorhersehbar in ihrer Moralität und wenig inspiriert-tiefsinnig-überraschend.

 

Was heisst gelungene Integration?
Ein Ausländer muss nicht zum Schweizer werden, aber er oder sie versucht idealerweise die hiesige Sprache und Kultur zu verstehen. Viele Schweizer im Ausland integrieren sich übrigens schlecht und begnügen sich mit Englisch als Verkehrssprache.

 

Welches Buch, welchen Film oder welche Musik empfehlen Sie Migranten, um die Schweiz verstehen zu lernen?
Hugo Loetscher: «Der Waschküchenschlüssel oder Was, wenn Gott Schweizer wäre».

 

Teil 1 der Migrationsserie mit Andreas Cassee