Synodale und Schuldirektorin

Die Brückenbauerin

Die Generation zwischen 25 und 60 Jahren bricht den Reformierten weg. Eva Ebel, Synodale in der Zürcher Landeskirche, steht für diese Mitte. Sie gibt ihr Amt ab, sieht darin aber keinen Bruch mit der Kirche.

Für Eva Ebel haben Kirche und Bildung viele Gemeinsamkeiten. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Als Synodale bin ich Menschen begegnet, die ich sonst nie getroffen hätte, und ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte. Die Arbeit als Kirchenpolitikerin kann ich von Herzen empfehlen», sagt Eva Ebel. Dennoch ist diese Juli-Synode der Zürcher Landeskirche die letzte, an der Ebel als Kirchenpolitikerin teilnimmt.

Sie hat sich entschieden, ihr Amt abzugeben. «Das ist kein Protest gegen die Institution. Durch meinen anspruchsvollen Beruf habe ich schlichtweg zu wenig Zeit, um mich weiter für die Kirche zu engagieren.» Ebel ist seit 2020 Direktorin des Instituts und Gymnasiums Unterstrass in Zürich, sie arbeitet am Institut auch als Dozentin für das Fach «Religionen, Kulturen, Ethik». 

«Es ist zutiefst reformiert dafür zu sorgen, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können.»
Eva Ebel, Synodale in der Zürcher Landeskirche

Ihre Arbeit als Leiterin einer evangelischen Bildungsinstitution beruhe auf den Werten der reformierten Kirche, sagt sie. «Ich mache vieles im kirchlichen Sinn, ohne diesem Engagement das Label ‘Kirche’ zu verleihen.» Die gebürtige Norddeutsche, die auch Schweizer Staatsbürgerin ist, sieht zahlreiche Parallelen zwischen den Institutionen.

Pfarrer als Studienberater

Kirche hat für sie stark mit Bildung zu tun. «Es ist meiner Ansicht nach zutiefst reformiert dafür zu sorgen, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können.» Kirche versteht sie als eine Gemeinschaft, in der sich Einzelne aufgehoben fühlen und von anderen getragen werden. 

Ebel ist mit einer jüngeren Schwester, einem evangelischen Vater und einer katholischen Mutter aufgewachsen. Sie sei nicht kirchlich sozialisiert, sondern habe sich den Zugang selbst erarbeitet. Der schulische Religionsunterricht habe sie immer interessiert und sie habe ihn gern besucht. Mit Zwölf entschied sie, sich evangelisch taufen zu lassen. Anschliessend engagierte sie sich in der evangelischen Jugendarbeit, sie arbeitete in Kindergottesdiensten mit und betreute Angebote für Jugendliche.

Serie: Generationen

In einer Serie beleuchtet die ref.ch-Redaktion das Thema «Generationen». Am Montag, 12. Juni 2023, schreiben Kirchenpolitikerinnen, was sie sich für ihre Enkel wünschen. Zudem tauschen sich eine junge Pfarrerin und ein Gemeindemitglied aus über Anfänge und Abschiede. (red)

«Dort habe ich erfahren, dass man mir etwas zutraut.» Sie fühlte sich gesehen und geschätzt – und sprach über ihre Studienwahl nicht mit ihren Eltern, sondern beriet sich zuerst mit dem Pfarrer. Er war für sein Auslandjahr einst in Zürich und behielt die Stadt als lebensfroh und weltoffen in Erinnerung. Das bewog Ebel dazu, auch in die Schweiz zu kommen. Im Gegensatz zu ihrem Mentor, der zurück nach Deutschland ging, blieb sie hier.

Kompetenzen einbringen

Junge oder alte Menschen besuchen die Kirche, weil sie müssen oder möchten. Die Generation zwischen 25 und 60 Jahren bricht der Institution dagegen weg. Die 51-jährige Ebel steht für diese Mitte. Dabei hat sie weder die Kirche zur Arbeitgeberin, noch einen anderen verpflichtenden Grund für ihr Engagement. Sie möchte schlicht ihr Expertinnenwissen einbringen, wie sie sagt.

Einige fänden den Zugang, weil sie Kinder hätten und diese taufen oder konfirmieren liessen, andere suchten spirituelle Erfahrungen. Sie hingegen wolle ihre Kompetenzen einsetzen. Bildung ist ihr eine Herzensangelegenheit. «Ich möchte jungen Menschen etwas zutrauen. Ihnen sollen sich Möglichkeiten eröffnen und ich will sie dabei unterstützen, ihren Weg zu gehen.» Nach über zwanzig Jahren im Beruf darf die Gymnasiallehrerin mit einer Promotion in Theologie durchaus als Expertin für Bildungsbelange bezeichnet werden.

«Ich bin einst als Migrantin in dieses Land gekommen. Kirche kann helfen, Menschen kennen zu lernen.»
Eva Ebel, Synodale in der Zürcher Landeskirche

Zehn Jahre lang, von 2013 bis im Sommer 2023, war Ebel Synodale in der Zürcher Landeskirche und sie präsidierte den Synodalverein. Eine Legislatur lang, von 2019 bis 2022, sass sie in der EKS-Synode. Sie bleibt weiterhin im strategischen EKS-Ausschuss für Bildung und Berufe. In ihrer aktuellen Lebensphase habe sie darüber hinaus nicht das Bedürfnis, viele kirchliche Angebote zu nutzen, sagt Ebel.

Als Direktorin des Instituts und Gymnasiums Unterstrass in Zürich steht Eva Ebel ein für Chancengleichheit. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Ich war vierzehn Jahre Pfarrfrau, da war der regelmässige Gottesdienstbesuch selbstverständlich.» Wichtiger sei ihr nun, dass es ausreichend kirchliche Angebote gebe für jene, die diese beanspruchen möchten, etwa Seniorinnen.

Gerne trage sie dazu bei, Programme zu gestalten wie Lesekreise. Einzig würde sie sich wünschen, dass sich Kirchgemeinden bei den Mitgliedern aktiver nach deren Bedürfnissen erkundigten. So könnten Kirche und Mitglieder noch besser zusammenfinden.

«Ich bin einst als Migrantin in dieses Land gekommen. Ich weiss, dass Kirche ein Zugang sein kann, der einem hilft, Menschen kennen zu lernen und Beziehungen aufzubauen.» Ebel sieht die Kirche schliesslich auch als Institution mit gesellschaftlicher Verantwortung für den Einzelnen. «Ich wüsste nicht, wer diese Arbeit für diesen Preis sonst machen sollte», sagt sie.