Der «Campus Kappel» und seine Folgen

Bereits zum dritten Mal wollen die reformierten Kirchen der deutschen Schweiz und die theologischen Fakultäten in Bern, Basel und Zürich mit dem fünftägigen «Campus Kappel» junge Menschen «in die spannende Welt theologischen Denkens und Argumentierens» holen. Zeit, um von früheren Absolventen ein Urteil einzuholen.

Der «Campus Kappel» findet vom 13. bis 17. Juli 2015 im Haus der Stille im Kloster Kappel statt. (Bild: zVg/ref.ch)

Christina Gut, 19
2. Semester Religionswissenschaft an der Universität Zürich

«Mit Menschen, die man sonst nur vom Fernsehen kennt, in einer kleinen Runde über die grossen Menschheitsfragen zu sprechen, das war toll. Dabei schätzte ich auch, dass die Organisatoren Gäste wie den ehemaligen UBS-Konzernchef Oswald Grübel einluden. Menschen also, die mit ihrer provokativen Art dafür sorgten, dass keine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung aufkam. Das war gut und klug von den Organisatoren gewählt. So lernte ich, auch einem Bad Guy wie Grübel offen und tolerant zu begegnen. Was mir auch gefiel: Es wurde teilweise sehr heftig diskutiert, am Ende sass man aber wieder gemeinsam friedlich zusammen.

Vor der Woche hätte ich mir Theologie als Studienfach nie vorstellen können. Nun überlege ich, es im Nebenfach zu studieren.»

 

Julia Wenk, 24
4. Semester Theologie an der Universität Bern

«Der Campus hat mich bei meiner Studienwahl sehr stark beeinflusst. Standen zu Beginn noch Medizin, Psychologie und Biologie in meinem Fokus, vollzog ich nach der Woche eine 180-Grad-Wende und wählte Theologie. Ich merkte, wie umfassend das Studium ist und wie sehr mich die Fragen, die darin erörtert werden, interessieren. Was mich irritierte, waren jene Teilnehmer, die immer genau wussten, wo Gott sitzt. Sie wusste auf alle Fragen bereits eine Antwort und versuchten ihr geschlossenes Glaubenskonstrukt den anderen überzustülpen. – Was ich mir mehr gewünscht hätte: mehr Zeit nur für mich. Klar, es ist spannend mit anderen zu diskutieren. Es kann aber auch ermüdend sein, sich eine Woche lang so intensiv auszutauschen. Im Nachhinein kann ich aber sagen: Der Campus war eines der sehr wichtigen Erfahrungen in meinem bisherigen Leben.»

 

Christian Locher, 24
1. Semester Theologie im Nebenfach an der Universität Freiburg

«Im Grossen und Ganzen ist mir die Woche in sehr guter Erinnerung. Die Diskussionen waren anspruchsvoll, wenn auch teilweise anstrengend. Was ich schade fand: Die Leiter dachten alle in die gleiche Richtung und haben die Bibel und die Figur Jesus sehr liberal ausgelegt. Es wäre toll gewesen, wenn es im Leitungsteam auch Leute aus dem freikirchlichen oder traditionellen Teil der Kirche gehabt hätte. Ich bin zwar klar in der reformierten Kirche daheim, aber mich interessiert mehr die Vielfalt als die Einfalt an Meinungen. Insgesamt erlebte ich das Programm als ziemlich überfachtet, ich hätte mehr Zeit für mich benötigt. Das war allerdings auch teilweise unsere Schuld, da wir in den Pausen oftmals ein kontroverses Thema weiterdiskutiert haben.»

 


Campus Kappel

Bereits zum dritten Mal organisieren die reformierten Kirchen der Deutschschweiz und die Theologischen Fakultäten Basel, Bern und Zürich im Kloster Kappel eine Woche für Jugendliche, die sich für das Studium in Theologie interessieren. Dabei sein werden auch prominente Gäste wie der Direktor des Zoos Zürich, Alex Rübel, oder der Rapper Knackeboul.

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Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».
Oliver Demont / ref.ch