«Der Bundesrat weiss nun: Wir schauen hin»

Der Protest von 150 Zürcher Pfarrerinnen und Pfarrern gegen die erleichterte Ausfuhr von Kriegsmaterial findet beim Bundesrat kein Gehör. In seinem Antwortschreiben hält dieser an seinem Entscheid von Mitte Juni fest. Für Pfarrer Johannes Bardill, Initiant des offenen Briefes, war die Aktion dennoch nicht vergeblich.

Der Horgner Pfarrer Johannes Bardill brachte den Protest gegen die Ausfuhrerleichterungen von Waffen ins Rollen. Er hofft, dass das Thema in den Kirchgemeinden weiter diskutiert wird. (Bild: ZVG)

Herr Bardill, in seiner Antwort auf Ihren offenen Brief tritt der Bundesrat nicht auf Ihre Forderung ein, von einer Lockerung der Waffenexporte abzusehen. Sind Sie enttäuscht?
Ja, aber ich habe nichts anderes erwartet. Es wäre auch fast ein bisschen unheimlich, wenn der Bundesrat wegen 150 Personen seine Politik ändert. Es erstaunt mich auch nicht, dass er mit keinem Wort auf unsere theologische Argumentation eingeht. Trotzdem war es nötig, ein Zeichen zu setzen.

Die Aktion war also nicht vergeblich?
Überhaupt nicht. Mit unserer Aktion haben wir signalisiert, dass dem Bundesrat bei künftigen Bewilligungen von Waffenexporten auf die Finger geschaut wird. Klar, wir sind vielleicht nur ein Sandkorn auf der Waagschale. Aber es ist wichtig, dass der Bundesrat weiss, er wird von der Öffentlichkeit beobachtet.

Waren Sie eigentlich überrascht, wie viele Pfarrerinnen und Pfarrer den offenen Brief mitunterzeichneten?
Absolut. Das hätte ich niemals gedacht, zumal die Aktion ja auch noch in den Ferienbeginn fiel. Es ist nicht selbstverständlich, dass so viele Pfarrerinnen und Pfarrer sich für eine gemeinsame Sache zusammentun. Das Thema hat offenbar vielen unter den Nägeln gebrannt. Positiv überrascht hat mich auch die Resonanz in den Medien.

Ist die Sache mit der Antwort des Bundesrats nun erledigt?
Ich könnte mir vorstellen, dass unsere Aktion auch weiterhin in den Kirchgemeinden Anlass zu Diskussionen gibt. Vielleicht wird auch der eine oder die andere der Mitunterzeichnenden das Thema in seiner Arbeit aufgreifen.

Und Sie selber?
Ich möchte demnächst einmal einen der Autoren des Buches «Der lange Schatten Zwinglis» in meine Kirchgemeinde einladen. In dem Buch geht es darum, wie Zürich sich unter dem Einfluss Zwinglis weigerte, ein Soldbündnis mit Frankreich einzugehen. Der Titel hat mich übrigens dazu inspiriert, unsere Aktion in die Hand zu nehmen.