Studie

Corona-Pandemie fast ohne Einfluss auf Klimawandel

Die klimaschädlichen Emissionen im ersten Halbjahr 2021 erreichen das Niveau von 2019, zeigt die neue Klima-Studie der Vereinten Nationen. Umweltschützer sprechen von einer «verpassten Chance».

Der Klimawandel und seine verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt beschleunigen sich laut einer umfangreichen neuen Studie der Vereinten Nationen (UNO) weiter. Die Corona-Pandemie werde die unablässige Erhöhung der Temperaturen nicht verlangsamen können, warnte die UNO am Donnerstag in Genf. Es gebe keine Anzeichen, dass die Welt nach der Pandemie «grüner» werde. Stattdessen zeige die Studie, dass die Konzentration der Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre 2020 und im ersten Halbjahr 2021 weiter gestiegen seien. Die Lockdowns, Betriebsschliessungen und Verkehrsrückgänge in Folge der Corona-Pandemie hätten 2020 nur einen leicht dämpfenden Einfluss auf die Konzentration gehabt.

Klimaziele rücken in weite Ferne

Die Studie, zu der das Umweltprogram Unep, der Weltklimarat und die Weltwetterorganisation WMO beigesteuert haben, sei «alarmierend», erklärte UN-Generalsekretär António Guterres. Sie zeige, wie weit sich die Welt von den Vorgaben des Pariser Klima-Abkommens entfernt habe. Ohne drastische Reduzierungen bei den Ausstössen der klimaschädlichen Treibhausgase sei eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf bis zu 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nicht mehr zu erreichen.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Olaf Bandt erklärte, dass die Weltgemeinschaft «die einzigartige Chance verpasst» habe, die Wirtschaft ökologisch und sozial verträglich umzubauen. Er erklärte, «die G7 – darunter auch Deutschland – unterstützen in ihren Corona-Konjunkturpaketen stärker die fossilen Brennstoffe als klimaschützende Massnahmen und erneuerbare Energien.» Die Ergebnisse der Studie seien die Quittung dafür.

Emissionen nur kurzfristig zurückgegangen

Laut vorläufigen Schätzungen hätten die Emissionen durch Energieerzeugung und die Industrie im ersten Halbjahr 2021 schon auf dem gleichen Niveau oder sogar höher gelegen als im ersten Halbjahr 2019. Die Emissionen, die durch den Verbrauch fossiler Stoffe wie Kohle und Öl verursacht wurden, hätten 2019 ihren bislang höchsten Stand erreicht. Im Jahr 2020 habe es Corona-bedingt einen Einbruch gegeben. Auch die Emissionen durch den Strassentransport sanken den Angaben nach um fünf Prozent. Doch «die Covid-19-Krise führt nur zu einer kurzfristigen Reduktion bei den globalen Emissionen», heisst es abschliessend in der Studie.

Die steigenden Erderwärmung, die durch den Menschen verursacht wird, führt laut den UN zu immer mehr Stürmen, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren, einem steigenden Meeresspiegel und weitere Extremsituationen, die Leben auf der Erde bedrohen und vernichten. Der nächste Weltklimagipfel findet vom 31. Oktober bis 12. November in Glasgow statt. (epd/no)