Bergkarabach-Konflikt

Cevi Zürich unterstützt Flüchtlingshilfe in Armenien

Der christliche Jugendverein Cevi Zürich unterstützt seine Partnerorganisation in Armenien dabei, Kriegsflüchtlinge aus Bergkarabach zu versorgen. In dem neu eskalierten Konflikt im Südkaukasus droht eine humanitäre Katastrophe.

Zwei Frauen begutachten in Stepanakert die Überreste eines zerstörten Hauses. Viele Einwohner von Bergkarabach sind inzwischen nach Armenien geflohen. (Bild: KEYSTONE/Sergei Bobylev)

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbeidschan um Bergkarabach spitzt sich weiter zu. Laut Behörden forderte der Krieg bereits Hunderte von Toten, zahlreiche Menschen sind auf der Flucht. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Stepanakert, die tagelang beschossen wurde.

«Der Dauerbeschuss mit Streubomben hat massive Zerstörungen angerichtet, auch an zivilen Zielen wie dem Spital oder der Kirche», sagt Adrian Künsch-Wälchli. Der Co-Geschäftsführer des Jugendvereins Cevi Zürich steht seit Ausbruch des Konflikts in engem Kontakt mit der Partnerorganisation YMCA Spitak im Norden Armeniens. Von dort erreichen ihn täglich neue Berichte und Bilder aus der Region.

«Besonders traurig macht uns, dass vier junge Mitarbeitende unserer Partner beim Einsatz als Rekruten an der Front ums Leben gekommen sind», sagt Künsch-Wälchli. Armenien hat seine Streitkräfte mobilisiert – fast alle wehrfähigen Männer sind zum Militärdienst eingezogen worden.

Tausende fliehen nach Armenien

Unterdessen bahnt sich in Bergkarabach eine humanitäre Katastrophe an, das Leid der mehrheitlich armenischen Zivilbevölkerung ist gross. Tausende von Einwohnern haben ihre Häuser in den umkämpften Gebieten verlassen, um in Armenien Schutz zu finden – auch in der Stadt Spitak. «Diese Menschen sind dringend auf ein Obdach und Verpflegung angewiesen, manche sind traumatisiert und benötigen psychologische Unterstützung», sagt Künsch-Wälchli. Von der Regierung wurden die Schutzsuchenden auf Privathaushalte und Institutionen verteilt, darunter den YMCA Spitak.

Die Organisation ist wie der Cevi Zürich Mitglied beim weltweiten Christlichen Verein Junger Menschen. Seit 2001 besteht zwischen den beiden Jugendvereinen eine Partnerschaft. So unterstützt der Cevi Zürich den YMCA Spitak unter anderem beim Aufbau eigener Angebote. Auch das YMCA-Zentrum in Spitak entstand mithilfe des Cevi.

Neben Gästezimmern bietet das Zentrum eine Tagesstruktur mit Kindergarten und Aktivitäten wie Englischunterricht, Sport oder Nähen. «Dort konnten inzwischen neunzehn Flüchtlinge aufgenommen werden, die Mehrheit davon Kinder», sagt Künsch-Wälchli. Ziel sei es, die Menschen nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern sie aktiv einzubeziehen. «Zwei der Frauen arbeiten inzwischen selbst im Kindergarten mit, wo sie Flüchtlingskinder und Kinder aus Spitak betreuen.»

Crowdfunding für Kriegsopfer

Geld für diese Arbeit gibt es von der armenischen Regierung allerdings nicht. Der Cevi Zürich hat deshalb einen Spendenaufruf lanciert, um den Betrieb in Spitak aufrecht zu erhalten. Auch unterstütze man die Leitung des Zentrums, sagt Künsch-Wälchli. «Wir bieten freundschaftlichen und wenn gewünscht professionellen Rat und geben Rückendeckung.»

Nötig sei die Arbeit des Zentrums aber nicht nur wegen der Flüchtlinge. Weil ihre Männer im Krieg sind, sind viele Mütter mit ihren Kindern in Spitak auf sich allein gestellt. Im Zentrum biete man den Frauen und Kindern eine Tagesstruktur. «Die psychische Not der zurückgelassenen Frauen ist oft gross, sie leben in konstanter Angst um ihre Angehörigen», sagt Künsch-Wälchli.

«Rest von Normalität aufrecht erhalten»

Vor einigen Tagen forderte die armenische Regierung die Bevölkerung dazu auf, Notfall-Pakete zu packen, um im Fall eines Bombenangriffs die Häuser rasch verlassen zu können. Für die Menschen sei das eine enorme Belastung, sagt Künsch-Wälchli. «Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, wenigstens einen Rest von Normalität aufrecht zu erhalten.»

Der Konflikt um Bergkarabach schwelt seit nunmehr drei Jahrzehnten. Das Gebiet wird vom christlich geprägten Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zu Aserbeidschan, wo mehrheitlich Muslime leben. Ende September kam es zu einer neuen Eskalation, wobei unter anderem die Hauptstadt Stepanakert beschossen wurde. Drei Waffenruhen im Oktober wurden bereits nach wenigen Stunden gebrochen.