Flutkatastrophe

Betreiber des «Camp Mystic» vor Gericht

Sieben Familien werfen der Leitung des christlichen «Camp Mystic» in Texas vor, zu spät gehandelt zu haben. 25 Kinder und zwei Betreuerinnen sind im Juli durch eine Überschwemmung gestorben.
Der Guadelupe-Fluss in Texas ist in einer Nacht im vergangenen Juli plötzlich um acht Meter angestiegen. In den Fluten starben 104 Menschen. Alleine im christlichen «Camp Mystic» fielen 27 Kinder und Jugendliche dem Wasser zum Opfer. (Bild: Wikipedia)

Die fünf Mädchen wären jetzt in die dritte Klasse gekommen, die zwei Betreuerinnen hätten mit dem College angefangen. Doch sie sind – mit zwanzig anderen Kindern – am 4. Juli dieses Jahres in der Springflut des Flusses Guadelupe in Texas ertrunken.

Die Kinder und Jugendlichen sollten einen Monat im überkonfessionellen, christlichen Sommerlager «Camp Mystic» Ferien machen. Doch sie verschwanden mitten in der Nacht im Hochwasser (ref.ch berichtete). Der Wasserspiegel des Guadelupe stieg in kürzester Zeit um acht Meter; Autos, Wohnmobile und Unterkünfte wurden mitgerissen. Rettungskräfte gingen in den Tagen nach dem Unglück von insgesamt 104 Todesopfern in der ganzen Region aus.

Die sieben Familien haben nun die Betreiber des Camps vor Gericht gezogen, das schreibt die «Washington Post». Sie werfen ihnen vor, Zeit verschwendet und den Betreuerinnen die falsche Anweisung gegeben zu haben, in den Gruppenhäusern zu bleiben. Die Gebäude befanden sich in der Nähe des Flussufers und wurden vom Wasser überflutet.

Der Anklageschrift entnimmt die «Washington Post», dass der Campleiter nachts um 1.14 Uhr den Flutalarm des nationalen Wetteramts erhalten hat. Doch er habe erst eine Stunde später damit begonnen, die schlafenden Campteilnehmenden zu wecken und die Evakuierung einzuleiten. Im Camp Mystic hielten sich zu jener Zeit 750 Mädchen im Alter zwischen 7 und 17 Jahren auf.

Die Eltern argumentieren laut Anklageschrift, dass man das Unglück hätte verhindern können. Die Betreiber des Camps hätten nicht nur in der fraglichen Nacht zu lange abgewartet, sondern die Kläger werfen ihnen vor, über keinen Evakuierungsplan zu verfügen. Ausserdem seien aus Kostengründen die Unterkünfte in der Nähe des Flussufers nicht auf sicherere, höhergelegene Bereiche des Camp-Geländes versetzt worden.

Vor zwölf Jahren habe die Lagerleitung bei der zuständigen Behörde erreicht, dass eine Gefahrenkarte der Region geändert wurde: Plötzlich standen mehr als ein Dutzend Gruppenhäuser nicht mehr in der gefährlichen Überschwemmungszone. Die Campbetreiber sparten damit die hohen Kosten für die Flutversicherung ein.

Was die Hinterbliebenen, die rechtliche Schritte vorgenommen haben, laut «Washington Post» verurteilen: Im September hat «Camp Mystic» angekündigt, das Lager im Sommer 2026 wieder für Ferien zu öffnen.

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