Bund eröffnet neues Asylzentrum im Tessin
Ein neues Bundesasylzentrum im Kanton Tessin ersetzt zwei provisorische Unterkünfte in der Südschweiz. Das Zentrum bedeute einen Neuanfang, sagte Micaela Crippa, Leiterin der Asylregion Tessin und Zentralschweiz, beim Bundesamt für Migration (SEM). Die letzten «vier langen Jahre» seien voller Herausforderungen für das Personal der beiden bisherigen vorübergehenden Asylzentren gewesen.
Der Gemeindepräsident von Balerna Luca Pagani gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass das neue Asylzentrum zu einem «wirklichen Empfangszentrum» werde und nicht mehr ein Hort von Konflikten darstelle. Es sei wichtig, die Flüchtlinge «korrekt» aufzunehmen. Ab einer bestimmten Anzahl Personen werde dies unmöglich.
Die Gemeinden Chiasso, Balerna und Novazzano hatten im vergangenen Jahr über vermehrte Ausschreitungen im öffentlichen Raum geklagt. Dass die Asylsuchenden seit einiger Zeit mehr gemeinnützige Arbeit verrichten dürfen, sei in den Standortgemeinden gut angekommen, sagte Pagani weiter.
200 Personen ziehen ein
Das neue Bundesasylzentrum befindet sich auf dem Grenzgebiet der Gemeinden Balerna und Novazzano. Es bietet Platz für maximal 350 Personen, jedoch würde diese Auslastung vorerst nicht erreicht, erklärte der Verantwortliche für Unterkünfte in der Asylregion Zentralschweiz und Tessin, Jimmy Ferro, auf einem Rundgang mit den Medien. Konkret zögen am 3. Juni 200 Personen in die neuen Räumlichkeiten ein.
Der Kanton Tessin ist ein Hotspot der Schweizer Asylpolitik. Im vergangenen Jahr hatten kantonale und lokale Behörden wiederholt Kritik geübt und bessere Sicherheitsvorkehrungen gefordert. Justizminister Beat Jans versprach bei einem Besuch im Februar diverse konkrete Verbesserungen, so unter anderem die Ausweitung des sogenannten 24-Stunden-Verfahrens.
Kritik an den Zentralschweizer Kantonen
Der Tessiner Polizei- und Justizdirektor Norman Gobbi sagte, auch andere Kantone müssten ihre Verantwortung wahrnehmen. Nur weil es zum Tessiner Verständnis gehöre, ein «Durchgangsgebiet» zu sein, könnten nicht hier alle Probleme gelöst werden.
Die Kritik richtet sich nicht zuletzt an die Zentralschweizer Kantone, mit denen das Tessin eine Asylregion bildet. Die Suche nach einem Standort gestaltet sich laut dem SEM dort um einiges schwieriger.
14 Jahre lang habe man eine Gemeinde für ein neues Asylzentrum gesucht und sei nun im Kanton Schwyz fündig geworden. Jedoch dauere es noch mindestens sechs Jahre, bis das neue Bundesasylzentrum fertiggestellt sei. Grund sei der Widerstand gegen das neue Asylzentrum, sagte SEM-Chefin Christine Schraner Burgener. Der Bund wolle nicht «gegen den Willen des Kantons und der Gemeinde» ein Zentrum bauen. Nun müsse man noch «die Bevölkerung mitnehmen». Die weiterhin temporäre Nutzung einer Infrastruktur in Glaubenberg im Kanton Obwalden solle in der Zwischenzeit das Tessin entlasten. (sda/ pef)