Bündner Reformierte: Solidarität im Kanton gefordert

An der Herbstsitzung des Evangelischen Grossen Rates (EGR) in Chur wurde innerkirchliche Solidarität mit den Pfarrstellen in den Bündner Randregionen gefordert. Weiter wünschte sich die SP-Nationalrätin Silva Semadeni als Referentin eine Kirche, die sich auch zu unbequemen Fragen äussert.

Cornelia Camichel Bromeis (links; Dekanin, ab 1. Januar 2015 im Amt) und die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni an der Herbstsitzung des Evangelischen Grossen Rates (EGR). (Bild: zVg/Evangelische Landeskirche Graubünden)

Wie die Evangelische Landeskirche Graubünden in einer Mitteilung schreibt, sorgte an der Herbstsitzung des Evangelischen Grossen Rates (EGR) vom 12. November eine Anfrage von Grossrat Robert Heinz aus Avers für eine Diskussion. «Was geschieht, wenn in einer Talschaft eine Schule geschlossen wird», fragt Heinz, «werden dann die Pfarrstellenprozente gekürzt?» In den darauffolgenden Voten forderten verschiedene Vertreter von kleinen Kirchgemeinden Planungssicherheit und eine über den bestehenden Finanzausgleich hinausgehende Solidarität mit den Randregionen. «Es gibt Kirchgemeinden, die nicht weiter fusionieren können», sagte Pfarrer Stephan Bösiger. Von Seiten des Kirchenrates hiess es, der Pfarrberuf in der reformierten Bündner Kirche müsse attraktiv bleiben, deshalb «nehmen wir die Sorge um die Pfarrstellen ernst». Klar sei aber auch: Eine faktische Aufstockung von Pfarrstellenprozenten komme nicht in Frage, so Kirchenrat Frank Schuler – dafür sei der Spardruck schlichtweg zu gross.

Der Wunsch der Bündner Nationalrätin

Zivilcourage forderte die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni vor den rund 70 Delegierten des Evangelischen Grossen Rates, der Legislative der reformierten Bündner Kirche. «Was tun, wenn im Mittelmeer tausende Menschen ertrinken?», fragt Semadeni im Grossratsaal in Chur, «was tun, wenn humanitäre Werte unter Druck geraten, wenn Völkerrechte in Frage gestellt werden?» So sehr für die Nationalrätin die aktive Nächstenliebe im Zentrum ihrer Auffassung von christlicher Identität steht, so sehr wisse sie, wie christliche Verantwortung in der politischen Diskussion dem Kampf der Interessen ausgesetzt sind. Semadeni wünscht sich von den Kirchen, dass sie sich deutlicher zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen äussern. «Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung» – das seien brennende Themen, für die es sich stark zu machen lohne.

Defizit trotz Auflösung von Rückstellungen

Der Evangelische Grosse Rat wählte Walter Grass als neuen Präsidenten. Der Gemeindepräsident, Grossrat und Landwirt aus Urmein am Heinzenberg ist mit seinen vierzig Jahren der jüngste Ratspräsdent in der Geschichte des Evangelischen Grossen Rates.  Als erste Vizepräsidetin wurde Elisabeth Mani aus Davos Dorf gewählt. Weiter verabschiedeten die Mitglieder des Evangelischen Grossen Rates den Kostenvoranschlag der Kantonalen Evangelischen Kirchenkasse für das Jahr 2015. Dieser rechnet mit einem Totalaufwand von 10,4 Millionen Franken und einem Defizit von 34‘000 Franken. Dies trotz Auflösung von Rückstellungen in der Höhe von 350‘000 Franken.