Breite Front der Reformierten gegen die Abschaffung der SRG-Gebühren

Die No-Billag-Initiative hat in der reformierten Kirchenlandschaft wenig Chancen. Die Gegner argumentieren, dass die Kirchen bei einer Annahme ein wichtiges Schaufenster verlieren.

Religionssendungen sind ohne die Billag nicht mehr finanzierbar.
Religionssendungen sind ohne die Billag nicht mehr finanzierbar. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

In der reformierten Kirchenlandschaft wird der Widerstand gegen die No-Billag-Initiative immer grösser. Auch rechts-bürgerliche Kirchenvertreter wie SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus lehnen die Initiative entschieden ab. «SRF hat einiges an Reformbedarf. Aber wenn ein Pferd Macken hat, dann erschiessen sie es nicht gleich», sagt Neuhaus. Der Berner Kirchendirektor befürchtet, dass bei einer Annahme der Initiative die Schweizer Medienlandschaft komplett privatisiert wird: «Was das bedeutet, weiss ich dank meiner Frau, die Amerikanerin ist. Dort sind die Medien verkommerzialisiert bis zum Gehtnichtmehr.» Unter ­diesem Aspekt wären Formate aus dem Religionsbereich wohl Geschichte, sagt Neuhaus, «ihre Inhalte sind einfach zu wenig ‹sexy›».

Solidarität gegenüber Minderheiten

Auch Cornelia Camichel Bromeis, Dekanin der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden und «In pled sin via»-Sprecherin, des rätoromanischen Worts zum Sonntag, hofft auf ein Nein am 4. März. «Gerade wir Menschen in Graubünden sehen, wie wichtig die SRG ist. Gewisse Sendungen in romanischer und italienischer Sprache wären ohne die Billag schlicht nicht finanzierbar», sagt Camichel. Es gehe bei dieser Abstimmung auch um Solidarität gegenüber Minderheiten. Werte, die auch die Kirche vertrete, sagt Camichel – und das sei nicht die einzige Gemeinsamkeit, die die SRG und die Kirche hätten: «Beide sind öffentlichrechtliche Institutionen, die durch Abgaben finanziert werden. Nur so können sie ihren Auftrag unabhängig wahrnehmen, ohne dass sie einem einzelnen Geldgeber etwas schuldig sind.»

Schaufenster für die Kirchen

Um den Auftrag der Kirchen und der SRG macht sich auch Res Peter, reformierter Pfarrer am Neumünster in Zürich, Sorgen. Er sei sich «sicher wie das Amen in der Kirche», dass bei der Annahme der Initiative das Wort zum Sonntag seinen Platz zur besten Sendezeit verlieren würde. «Das wäre ein herber Verlust eines hoch akzeptierten und glaubwürdigen Schaufensters für die Kirchen.» Vermissen würde Peter auch die Kritik von kirchen­unabhängigen Redaktionen der Abteilung Sternstunde Religion an innerkirchlichen Fragestellungen. Deshalb lehne er die Initiative «entschieden ab».

Kantonalkirchen für eine Ablehnung

Für eine Ablehnung der ­No-Billag-Initiative machen sich auch verschiedene Kantonalkirchen stark. So hat jüngst die Reformierte Kirche Zug zu einem Nein aufgerufen. Ebenfalls gegen die Initiative haben sich die Bischofskonferenz und der Synodalrat der Reformierten Kirche Luzern sowie der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) ausgesprochen.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.

Zum Kommentar von Pascale Huber, Geschäftsführerin der Reformierten Medien