Bischof Felix Gmür will Ende der Zölibatspflicht
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK,
Zu Beginn seiner Zeit als Bischof habe er am meisten Gewicht auf die rechtlich korrekte Durchführung bei Missbrauchsfällen gelegt, sagte der Basler Bischof im Interview mit der NZZ am Sonntag. Die Opferperspektive sei dabei zu kurz gekommen. «Diesbezüglich habe ich mit der Zeit einen Perspektivenwechsel vollzogen.»
Gmür befürwortete eine externe Begleitung der kirchlichen Untersuchung zu den Missbrauchsfällen, wie sie etwa die
Macht besser verteilen
Generell müsse die Macht in der Kirche besser verteilt werden, sagte Gmür. «Ich werde mich in Rom dafür starkmachen, dass sich die Kirche dezentralisiert.» Es brauche eine neue Sexualmoral und die Möglichkeit, die Regelungen regional zu treffen.
Die SBK hatte diese Woche beschlossen, ein kirchliches Straf- und Disziplinargericht für die römisch-katholische Kirche in der Schweiz
Gmür: «Zeit für Abschaffung des Zölibats»
Zur Aufarbeitung gehöre auch das Hinterfragen der vorherrschenden Zustände. «Der Zölibat besagt: Ich bin verfügbar für Gott. Ich glaube aber, dass dieses Zeichen von der Gesellschaft heute nicht mehr verstanden wird», sagte Gmür. «Die Zeit ist reif, die Zölibatspflicht abzuschaffen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, mir verheiratete Priester vorzustellen.»
Auch der Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe solle fallen. «Die Unterordnung der Frauen in der katholischen Kirche ist für mich unverständlich. Da braucht es Veränderungen», so Gmür. Zudem sei die Kirche beim Konkubinatsverbot für Angestellte «noch nicht dort, wo wir sein müssten».
Mindestens 1002 Missbrauchsfälle seit 1950
Die Universität Zürich hatte am 12. September eine Studie veröffentlicht, die von mindestens 1002
Die Übergriffe wurden laut dem Studienbericht von 510 Personen an 921 Opfern verübt. Knapp 56 Prozent der Opfer waren männlich. Die Täter waren bis auf wenige Ausnahmen Männer. In 74 Prozent der Fälle waren die Opfer minderjährig. (sda/ awp/ no)