Bischöfe rufen zu Beistand für jüdische Gemeinde auf

Nach dem Anschlag im deutschen Halle auf eine jüdische Gemeinde sollen sich Christen mit Kerzen schützend vor die Synagoge stellen. Im Anschluss an die Sabbatfeier wird an den jeweiligen Tatorten der ermordeten Opfer gedacht.


Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, und der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, haben für Freitag erneut zum Beistand für die jüdische Gemeinde aufgerufen. «Das Wunder und die Wunde von Halle dürfen nicht auseinanderreissen. Deshalb wollen wir an die getöteten und verletzten Opfer und ihre Angehörigen denken und der jüdischen Gemeinde beistehen», erklärten die Bischöfe gemeinsam am 17. Oktober in Magdeburg.

In dem Aufruf heisst es: «Damit sich die jüdische Gemeinde in Halle sicher fühlen kann, müssen auch wir Christen Verantwortung tragen.» Deshalb werde dazu aufgerufen, mit Kerzen vor der Synagoge zu stehen, wenn sich die jüdische Gemeinde zur Sabbatfeier trifft. Im Anschluss soll an den jeweiligen Tatorten der ermordeten Opfer Jana L. und Kevin S. gedacht werden.

Zweite Mahnwache

Bereits am vergangenen Freitag waren mehr als 1000 Menschen dem Aufruf der leitenden Geistlichen im Land gefolgt und hatten sich während der Sabbat-Feier mit Kerzen schützend vor die Synagoge in der Humboldtstrasse in Halle gestellt.

Bei dem Anschlag am 9. Oktober in Halle wurden eine 40 Jahre alte Frau und ein 20 Jahre alter Mann erschossen. Ausserdem verletzte der mutmassliche Täter Stephan B. zwei weitere Menschen. Schwer bewaffnet hatte er zuvor versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hatten sich dort 51 Gläubige versammelt. Der Generalbundesanwalt erliess gegen B. Haftbefehl wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuches. (epd/bat)