Berner Landeskirchen sollen mehr Autonomie erhalten

Der Berner Grosse Rat hat am Mittwoch in erster Lesung das totalrevidierte Gesetz über die Landeskirchen genehmigt. Nun sollen die Kirchen bald selbst über die Anstellung und Entlöhnung von Pfarrpersonen entscheiden können.


Einen vollen Tag lang diskutierte der Grosse Rat am Mittwoch über die Totalrevision des Landeskirchengesetzes, wie die Berner Zeitung am 7. September berichtete. Einer der wichtigsten Punkte, die Anstellung und Entlöhnung der Pfarrpersonen, blieb weitgehend unbestritten: Pfarrerinnen und Pfarrer werden künftig nicht mehr vom Kanton, sondern von den Landeskirchen angestellt.

Rückhalt für Finanzierungsmodell

Der Grosse Rat stellte sich auch hinter das neue Finanzierungssystem: Dieses sieht einen jährlichen Sockelbeitrag des Kantons sowie Beiträge an die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Landeskirchen vor. Der Sockelbeitrag an die drei Landeskirchen umfasst 43,2 Millionen Franken, wovon 34,8 Millionen Franken an die evangelisch-reformierte Landeskirche fliessen. Ebenso honoriert der Kanton die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Kirchen mit jährlich 31,4 Millionen Franken. Die insgesamt rund 75 Millionen Franken können frühestens ab dem siebten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes neu angepasst werden.

Alles beim Alten?

Gescheitert ist dagegen ein Antrag des Grünliberalen Michael Köpfli auf Rückweisung des Gesetzes an den Regierungsrat. Köpfli forderte eine striktere Trennung von Kirche und Staat. Mit dem neuen Gesetz überweise der Staat den Kirchen gleich viel Geld wie bisher, nur in anderer Form. Dadurch bleibe alles beim Alten, argumentierte der Grünliberale. Nichts wissen wollte der Grosse Rat auch von der Forderung der SP, die Regierung solle das Gebiet der Kirchgemeinden so festlegen, dass jeder Kirch­gemeinde mindestens 1000 Mitglieder angehörten, wie die Berner Zeitung weiter berichtete.

Das neue Gesetz soll den Landeskirchen künftig mehr Autonomie zusprechen. Es wird voraussichtlich am 1. Januar 2020 in Kraft treten. Zuvor kommt es im März 2018 zu einer zweiten Lesung im Grossen Rat. Erst dann wird definitiv entschieden, ob das Gesetz verabschiedet wird. (no)