«Bei der Suizidnachsorge muss man seine Grenzen kennen»

In Zürich wird die Fachstelle «Kirche und Jugend» des reformierten Zürcher Stadtverbands abgeschafft. Die Stelle hat sich bei der Suizidnachsorge einen Namen gemacht. Ein Thema, das auch zu den Aufgaben eines Pfarrers gehört, wie Niklaus Peter, reformierter Pfarrer am Fraumünster, sagt.

Die Betreuung von Menschen, die einen Suizid geplant haben, kann Seelsorger an ihre Grenzen bringen.
Die Betreuung von Menschen, die einen Suizid geplant haben, kann Seelsorger an ihre Grenzen bringen. (Bild: pxhere)

Niklaus Peter, welche Rolle spielt das Thema Suizidnachsorge in Ihrem Pfarralltag?
Das gehört klar zum Aufgabenfeld eines Pfarrers dazu. Jeder von uns hat Erfahrungen mit jemandem gemacht, der einen Suizid überlebt hat oder daran war, einen begehen zu wollen. Die seelsorgerische Betreuung solcher Personen ist keine leichte Aufgabe, aber auch dafür sind wir da. Zudem gibt es mit der Notfallseelsorge sowie der Psychiatrie- und Spitalseelsorge auch Spezialisten in der Kirche auf diesem Gebiet.

Was ist bei der Betreuung solcher Personen wichtig?
Dass man zuerst einmal gut zuhört und heraushört, was die Person in eine solche Extremsituation gebracht hat. Es braucht eine grosse Portion Verzweiflung, sich selber so etwas anzutun oder antun zu wollen. Wichtig ist aber auch, dass man seine eigenen Grenzen kennt und die Person an eine entsprechende Fachstelle weiterleitet.

Wie erkennen Sie, dass Sie bei jemandem an Grenzen stossen?
Das ist ein schwieriger Grat. Man soll und möchte solche Personen ja nicht zu schnell an eine Fachstelle «abschieben». Eine solche Betreuung hat auch für den Pfarrer etwas Beklemmendes. Das muss man aushalten. Wenn man aber eine tiefe Depression erkennt oder andere psychische Krankheiten, ist sicher der Zeitpunkt gekommen, Spezialisten beizuziehen.

Die wären?
Eine Psychiaterin oder einen Psychologen. Hier sind wir Seelsorgerinnen und Seelsorger auch Brückenbauer.

Braucht es entsprechende Fachstellen innerhalb der Kirche?
Da wäre ich eher zurückhaltend. Mir ist da ein integrales Pfarramt lieber. Also eine Pfarrperson, die nicht nur entweder Prediger, Seelsorger, Jugendspezialist oder Suizidnachsorger ist. Sondern alles zusammen. Erfahrungen solcher Art machen sensibler, menschlicher – das fliesst in Predigten und Seelsorgegespräche ein. Sie werden dadurch tiefer, beziehen sich auf das gelebte Leben und bleiben nicht nur theoretisch.