Umnutzung

Basler Martinskirche bleibt endgültig Konzertort

Schon seit mehr als 100 Jahren wird die Martinskirche in Basel nicht mehr als Kirche genutzt, sondern als profaner Raum. Eine private Stiftung übernimmt nun die Trägerschaft und will damit die Zukunft der Kirche sichern.

Am 30. Oktober beginnt die neue Konzertsaison in der Basler Martinskirche, erstmals unter der Ägide der vor einem Jahr errichteten Stiftung Martinskirche. Die Stiftung befindet sich als neue Trägerin respektive Mieterin der Konzertkirche mit ihren Plänen auf der Zielgerade, wie die Hauptverantwortlichen der Stiftung am Mittwoch an einer Medienkonferenz sagten. Vom anvisierten Kapital von 5,5 Millionen Franken, das die Sanierung des Baus und den Konzertbetrieb der nächsten 20 Jahre garantieren soll, fehle noch eine Million. Dennoch starte man zuversichtlich in die neue Ära.

1,5 Millionen Franken sind für bauliche Massnahmen vorgesehen. Das sind nicht wenige, wie der dafür zuständige Stiftungsrat ausführte. Sie betreffen den Bau eines neuen WC-Trakts neben der Sakristei, neue Licht- und Tonanlagen, Umbauten im Backstage-Bereich im benachbarten Pfarrhaus und eine Verbesserung des Sitzkomforts im Zuschauerbereich – alles jeweils eng abgestimmt mit der Denkmalpflege.

Weniger Sitzplätze

Hauptsächlich aus feuerpolizeilichen Gründen müsse die Kapazität an Sitzplätzen von 1100 auf 850 sinken, sagte der Bauverantwortliche. Weil ein Grossteil der Veranstaltungen für die kommende Spielzeit aber bereits fixiert sei, sei die Neuorganisation der Bestuhlung zeitlich auf Sommer 2023 verschoben worden. Auch die neuen WC-Anlagen würden erst in einem Jahr erstellt.

Der hoch auf dem Münsterhügel thronende Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert wird bereits seit über 100 Jahren nicht mehr als Sakralbau, sondern als Konzert- und Veranstaltungsort genutzt. Insofern werde sich inhaltlich mit der Übernahme der Trägerschaft durch die Stiftung nichts ändern, sagte Stiftungsratspräsident Martin Hug.

Auch andere Kirchen als Konzertorte

Anders sieht es bei der Pauluskirche aus, welche die Evangelisch-reformierte Kirche ebenfalls an eine weltliche Trägerschaft abgegeben hat. In diesem Fall handelt es sich um einen Verein, der den Kirchenbau ebenfalls als Konzertort nutzen möchte. Organisatorisch wollen die Stiftung Martinskirche und der Verein Kulturkirche Paulus betriebliche, inhaltliche und kommunikative Synergien nutzen.

Das sind nur zwei von mehreren Basler Kirchenbauten, die in den vergangenen Jahren zu sozialen und kulturellen Institutionen umgenutzt wurden.

Dem einst als Kirche genutzten Gemeindehaus Oekolampad steht eine Zukunft als Theaterbau, Quartierzentrum und soziale Einrichtung bevor. Die katholische Kirche Don Bosco ist seit 2020 Konzert-und Proberaum unter anderem für die Basel Sinfonietta. Und der Kirchenbau der «First Church of Christ, Scientist» ist ebenfalls seit 2020 Probe- und Konzertraum des Sinfonieorchesters Basel. (sda/mos)