Autorin und NS-Zwangsarbeiterin Vera Friedländer ist tot

Die Schriftstellerin Vera Friedländer beteiligte sich als Mädchen an einer erfolgreichen Protestaktion gegen die Nazis. Später wurde sie als Zwangsarbeiterin in einer Schuhfabrik versklavt. Nun ist die Autorin im Alter von 91 Jahren gestorben.


Die Mitbegründerin des Jüdischen Kulturvereins Berlin hatte in ihrem 2016 erschienenen autobiografischen Werk Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander über ihr Schicksal berichtet. Zahlreiche Mitglieder der Familie der 1928 in Woltersdorf bei Berlin geborenen Autorin wurden von den Nationalsozialisten deportiert und unter anderem in den Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt ermordet.

Am 15. Oktober ist Vera Friedländer im Alter von 91 Jahren bei Berlin gestorben, wie ihr Verlag «Das Neue Berlin» unter Berufung auf ihren Sohn Ulrich Schmidt bestätigte.

Protest vor Gestapo-Sammelstelle

Als 15-Jährige beteiligte sich Friedländer im März 1943 an einer Protestaktion gegen die Nazis, bei der es um die Freilassung ihrer Mutter und anderer jüdischer Frauen ging. Die Frauen waren bei der sogenannten Fabrikaktion in der Gestapo-Sammelstelle in der Grossen Hamburger Strasse in Berlin festgehalten worden. Später musste Friedländer Zwangsarbeit in der Berliner Schuhfabrik Salamander AG verrichten. Als Tochter eines christlichen Vaters und einer jüdischen Mutter galt sie als «Halbjüdin».

Nach dem Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität wurde Vera Friedländer Professorin für Deutsch an der Universität Warschau. Sie gründete in Berlin eine Sprachschule, die seit 30 Jahren hauptsächlich Einwanderer aus Osteuropa unterrichtet. Ausserdem sprach sie immer wieder in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen. (sda/no)