Schweizer Judenretter Carl Lutz wird mit Gedenktafel geehrt

Im Zweiten Weltkrieg bewahrte Carl Lutz Zehntausende Jüdinnen und Juden vor der Deportation ins Konzentrationslager. Nun wird der Methodist mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Walzenhausen geehrt.


Der Schweizer Diplomat und Judenretter Carl Lutz erhält zu seinem 124. Geburtstag am 30. März eine Ehrentafel an seinem Geburtshaus in Walzenhausen (AR). Damit werde einem lange gehegten Wunsch von Überlebenden aus Ungarn Rechnung getragen, schreibt das Organisationskomitee in einer Mitteilung vom 21. März.

Der Anlass wird unterstützt von der Gemeinde Walzenhausen, dem Verein Appenzeller Friedens-Stationen und der Carl-Lutz-Gesellschaft. Zur Feier am 30. März werden unter anderem der Ausserrhoder Regierungsrat Köbi Frei sowie Vertreter der Kirchen mitwirken.

Der Methodist Lutz hatte während seiner Amtszeit als Vizekonsul in Budapest zwischen 1942 und 1945 mehrere Zehntausend Jüdinnen und Juden vor der Deportation gerettet. Dies gelang ihm, indem er ihnen Schutzpässe und Schutzbriefe verschaffte, um nach Palästina auszuwandern. Massgeblich beteiligt an der Rettungsaktion war auch seine Frau Gertrud Lutz-Fankhauser.

Späte Anerkennung in der Schweiz

Lutz erhielt bald nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche internationale Ehrungen für sein humanitäres Engagement. In der Schweiz blieb ihm die Anerkennung von offizieller Seite lange verwehrt. Statt Lob gab es für den aus Ungarn zurückgekehrten Diplomaten eine Rüge wegen Kompetenzüberschreitung. Erst zwanzig Jahre nach seinem Tod 1975 rehabilitierte ihn der damalige Bundesrat Flavio Cotti. Seit Februar 2018 trägt ein Sitzungszimmer im Bundeshaus West den Namen «Salle Carl Lutz».

Seine Heimatgemeinde Walzenhausen verlieh Lutz bereits 1963 die Ehrenbürgerschaft. Zudem erinnert eine Gedenktafel an der Evangelisch-reformierten Kirche an sein Wirken. (no)