Asylhäuschen werden zur temporären Kapelle

Die Kirche Rosenberg in Winterthur Veltheim machte 2015 als Asylunterkunft von sich reden. Nun werden die Häuschen zum temporären Ort der Besinnung umfunktioniert.


Die Bauten der reformierten Kirchgemeinde Winterthur Veltheim haben eine bewegte Geschichte. Die mittelalterliche Dorfkirche war Mitte der 1960er-Jahre zu klein, sodass ein neues Gotteshaus errichtet wurde. Dieses aber wurde schon bald wieder zu gross und diente von 2015 bis 2017 als Asylunterkunft.

Nun macht Veltheim erneut auf sich aufmerksam: Aus den früheren Asylhäuschen, die in der Kirche standen, wurde eine Kapelle gezimmert und an die historische Dorfkirche angebaut. Hinter dem Vorhaben stehen der Architekt und Kirchenrat Markus Jedele, die Kuratorin Anita Bättig und der Zimmermann Hannes Jedele.

Geschredderte Bücher zum Isolieren

Am Dienstag wurde die Kapelle eröffnet. Markus Jedele spricht von 300 Anwesenden und einem sehr positiven Echo. Doch: «Diese Kirche ist nicht für die Ewigkeit, sondern für das Hier und Jetzt.» Für die temporäre Kapelle wurde denn auch ausschliesslich «altes Material mit Geschichte» verwendet, wie es in der Medienmitteilung der Kirchgemeinde heisst. Zum Isolieren etwa wurden Bücher und Noten geschreddert: Ob Geschichten von Peter Bichsel, Sinfonien von Joseph Haydn oder ein Perikopenbuch, nichts war vor dem Reisswolf sicher.

Mit der temporären Kapelle soll während zwei Jahren ein Raum zur Verfügung stehen, der zur Stille einlädt, Begegnungen ermöglichen und zugleich herausfordern will. 14 Quadratmeter beträgt die Fläche der Kapelle; die ersten zwei Monate stehen darin nur gerade drei Hocker. Später werden Installationen, kuratiert von Anita Bättig, zu sehen sein.

«Themen, die die Herzen bewegen»

Auch theologisch will der Raum eine klare Botschaft aussenden. Arnold Steiner, Pfarrer in Veltheim, schreibt in der Broschüre zur Kapelle: «Geistliche und künstlerische Impulse werden jene, die diesen Raum aufsuchen, herausfordern, sich den Problemen unserer Zeit zu stellen. In der Stille und vor Gott wird man dort Bilder und Themen betrachten, die die Herzen bewegen.»

Die Kosten für das innert nur einem halben Jahr umgesetzte Projekt belaufen sich auf 140’000 Franken für Bau und Betrieb. Der Kredit wurde von den Stimmberechtigten der Kirchgemeinde gutgeheissen. Weiter sprach der Stadtrat von Winterthur einen Beitrag von 45’000 Franken aus einem Fonds an das Vorhaben. (ms/kath.ch)