Expertin warnt vor «Parallel-Realität» sozialer Netzwerke
Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, hat im Rahmen einer Podiumsdiskussion im deutschen Wiesbaden die Video-Plattform Tiktok als Brandbeschleuniger für radikale, antisemitische und verschwörungsideologische Inhalte bezeichnet. TikTok sei das «neue Massen- und Leitmedium einer ganzen Generation», sagte sie. Die Algorithmen der Plattformen bevorzugten kontroverse Videos. Das führe dazu, dass Nutzer «ganz schnell für 30 bis 45 Minuten in einer absoluten Parallel-Realität» abtauchten, von denen viele nebeneinander existierten.
Ausserdem mahnte Schnabel an, sogenannten Influencern nicht blind zu vertrauen. So fielen etwa Menschen, die für die sozialen Netzwerke bisher Koch- oder Schmink-Videos produzierten, nun mit verschwörungsideologischen Inhalten auf. Aufgrund der hohen Reichweite dieser Influencer gingen junge Menschen jedoch teils davon aus, dass die Influencer «wüssten, wovon sie sprechen».
Content-Creator seien «die neuen Stars der jungen Menschen» und stünden unter dem Druck, sich zu aktuellen Konflikten positionieren zu müssen, sagte Schnabel. Sie würden sich zum Krieg im Nahen Osten äussern, ohne viel davon zu verstehen. Gesamtgesellschaftlich werde aktuell verschlafen, dem Phänomen mit Medienkompetenz zu begegnen. (epd/ dst)