Alternativer Nobelpreis geht nach Iran, Nicaragua, Belarus und in die USA

Die Right-Livelihood-Stiftung gab die Gewinner des Alternativen Nobelpreises bekannt. Unter ihnen sind eine Menschenrechtsanwältin, ein US-Bürgerrechtsanwalt, eine Indigenenrechtsaktivistin sowie ein Menschenrechtler.


Mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet werden in diesem Jahr die inhaftierte iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh, der US-Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson, die Indigenenrechtsaktivistin Lottie Cunningham Wren aus Nicaragua sowie Ales Bjaljazki zusammen mit dem Menschenrechtszentrum «Wjasna» aus Belarus.

Die Auswahl der Preisträger werfe ein Schlaglicht auf die weltweite Bedrohung der Demokratie, erklärte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll: «Es ist höchste Zeit, dass wir alle, die weltweit an die Demokratie glauben, aufstehen und einander unterstützen.» Die Preisverleihung findet virtuell am 3. Dezember statt. Die Geehrten erhalten jeweils eine Million schwedische Kronen (etwa 95’000 Euro) Preisgeld.

Freiheitskämpferin im Iran

Nasrin Sotoudeh wird gewürdigt «für ihr furchtloses Engagement, unter hohem persönlichem Risiko, zur Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte im Iran». Die 57-Jährige engagiert sich für Frauen und Kinder, politische Gefangene und Oppositionelle. Darunter sind Personen, die 2009 während der «Grünen Revolution» gegen das Regime verhaftet worden waren.

Auch vertrat sie Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Nicht zuletzt kämpft Sotoudeh für die Abschaffung der Todesstrafe. Vergangenes Jahr wurde sie unter fragwürdigen Vorwürfen wie «Schüren von Korruption und Prostitution» zu 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt. Um auf die katastrophalen Haftbedingungen aufmerksam zu machen, trat sie mehrfach in einen Hungerstreik. Den letzten brach sie erst vor wenigen Tagen ab.

Aktivist gegen Rassismus

Bryan Stevenson wird der Würdigung zufolge für seinen Kampf, die US- Strafjustiz zu reformieren, ausgezeichnet. «Da die Ungerechtigkeit des Systems People of Color überproportional stark betrifft, hat Stevenson sein Leben dem Streben nach Gleichberechtigung der Ethnien und der Anfechtung des historischen Erbes des institutionellen Rassismus in den USA gewidmet», erklärte die Stiftung. So hätten der 60-Jährige und seine 1989 gegründete Organisation (heute «Equal Justice Initiative») beispielsweise für über 140 Betroffene, die unrechtmässig zum Tode verurteilt wurden, eine Entlassung, Hafterleichterung oder Revision des Urteils erreicht.

Einsatz für Schutz von Indigenen

Lottie Cunningham Wren aus Nicaragua wird geehrt «für ihren unermüdlichen Einsatz für den Schutz des indigenen Landes und der indigenen Gemeinschaften vor Ausbeutung und Plünderung». Davon lasse sich die 61-jährige Anwältin aus der Volksgruppe der Miskito auch durch Drohungen nicht abbringen. Unter Berufung auf nationale und internationale Gesetze sei es ihr gelungen, Landrechte für indigenen Boden in Nicaragua durchzusetzen. Die Right-Livelihood-Stiftung spricht von «Pionierarbeit» für juristische Strategien. Zudem engagiert sich Cunningham für die Rechte indigener Frauen.

Kampf für Demokratie

Der Menschenrechtler Ales Bjaljazki und sein 1996 gegründetes Zentrum «Wjasna» in Minsk werden ausgezeichnet «für ihren entschlossenen Kampf für die Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten in Belarus». Seit Mitte der 1980er Jahre setze sich Bjaljazki auf friedliche und überparteiliche Weise für demokratische Freiheiten ein. Auch kämpft der 58-Jährige für eine Abschaffung der Todesstrafe in Belarus.

Bjaljazki gehört auch dem von Oppositionellen und Zivilgesellschaft gegründeten Koordinierungsrat an, der einen friedlichen politischen Wechsel in dem autoritär regierten Land verfolgt. Inmitten der anhaltenden Massenproteste nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im August macht sich sein Zentrum «Wjasna» unter anderem für Versammlungsfreiheit stark und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen. (epd/bat)