Als Game-Heldin die Stadt Zürich nochmals reformieren

Im Handy-Spiel «(re)format Z» dreht sich alles um die Reformation. In einer düsteren Zukunft muss die Stadt Zürich von einer bösen Macht befreit werden.

Zürich im Jahr 2117. Sechshundert Jahre nach den Anfängen der Reformation wird die Zwingli-Stadt von bösen Mächten in Unwissenheit gehalten. Die Internetfirma Libria Corp kontrolliert gezielt die gesamte Bevölkerung durch Überwachung und Falschinformation. Wer das neue Schweizer Game «(re)format Z» spielt, schlüpft in die Rolle der jungen Programmiererin Alice, die zusammen mit einer mysteriösen Untergrundorganisation die Libria Corp zu zerschlagen und so, fast wie damals Huldrych Zwingli, Zürich zu befreien versucht.

Entwickelt hat das Handy-Game die Zürcher Spielefirma Blindflug Studios, finanziert wurde es durch den Verein 500 Jahre Zürcher Reformation, der Gelder unter anderem vom Lotteriefonds des Kantons Zürich sowie der reformierten Zürcher Landeskirche bezieht.

«Wir sind auf das Reformationsjubiläum aufmerksam geworden und haben gemerkt, dass das Thema Reformation extrem spannend ist», sagt Moritz Zumbühl, Geschäftsführer der Blindflug Studios. «Die Reformation war sehr wichtig, auch später für die Aufklärung. Noch heute verdanken wir ihr viel, sie hat unser freiheitliches Denken beeinflusst.» Deshalb hätten sie die Idee eines Reformations-Games als Projekt zum Reformationsjubiläum eingereicht.

Das Leitmedium des 21. Jahrhunderts

«Games sind das Leitmedium des 21. Jahrhunderts. Es ist sinnvoll, auch hier Wissen über die Reformation zu vermitteln», sagt Zumbühl. Sie selber hätten dabei keinen kirchlichen oder gar missionarischen Auftrag. «Wir möchten mit unseren Games nicht nur unterhalten, sondern wichtige gesellschaftliche Themen aufgreifen und auch Wissen vermitteln», sagt Zumbühl. Dies haben die Blindflug Studios bereits bei früheren Games gemacht. Bei ihrem Spiel «First Strike» geht es beispielsweise um das Thema Atomwaffen und deren verheerenden Einsatz.

«Bei ‹(re)format Z› wollen wir auch Leute erreichen, die ansonsten nicht so die Gamer sind», sagt Zumbühl. Das Spielkonzept ist deshalb simpel gehalten. Trotzdem wirkt das Spiel optisch äusserst komplex. Als Grundlage für die Spielwelt diente ein digitales 3D-Modell der Stadt Zürich, das den Spielentwicklern zur Verfügung gestellt wurde. Mit Hilfe dieser Daten bauten sie das Zürcher Niederdorf exakt nach. Die Sprache des Spiels ist Züridütsch.

Über 3000 Arbeitsstunden

Damit nicht nur die Optik, sondern auch der Inhalt ansprechend und korrekt ist, wurde Niklaus Peter, Pfarrer am Zürcher Fraumünster, als Berater angefragt. «Ich bin 61 und habe noch nie in meinem Leben Games gespielt. Aber als sie mir das Spiel gezeigt haben, war ich von der Optik sofort beeindruckt», sagt Peter. Er habe den Spieleentwicklern bei der Frage geholfen, wie das Wissen zur Reformation vermittelt werden könne. Mit dem Ergebnis ist Peter zufrieden. «Ich kann mir gut vorstellen, dass das Spiel im Konfirmanden- oder Religionsunterricht eingesetzt wird. Es ist mal etwas anderes, etwas moderneres.»

Über 3000 Arbeitsstunden haben die Mitarbeiter von Blindflug Studios laut Moritz Zumbühl in das Spiel investiert. «Wir sind ziemlich nervös und gespannt, wie das Game ankommt», sagt er. Das Thema sei aktueller denn je. «Wie damals die Kirche haben heute grosse Konzerne eine extreme Dominanz. Das soll kritisch hinterfragt werden.»

Das Spiel «(re)format Z» ist im App-Store für IOS- und Android-Geräte erhältlich. Es ist gratis und in deutsch, französisch, italienisch und englisch spielbar.