«Brothers» – Fantastische Geschichte mit wahren Werten

Im Zentrum des Abenteuerspiels «Brothers» stehen zwei Brüder und eine Legende, die so alt ist wie die Menschheit selbst: Das «Lebenswasser».


Zwei Brüder machen sich auf, das Wasser des Lebens zu finden, um ihren kranken Vater zu heilen. Dazu reisen sie durch heimelige Dörfer, über Felder, überqueren reissende Flüsse und finden ihren Weg durch unwegsames Gebirge, dunkle Höhlen und Eiswüsten. Das Besondere an «Brothers» ist, dass die beiden Brüder gleichzeitig, aber unabhängig voneinander gesteuert werden. Dabei müssen die beiden direkt zusammenarbeiten, um weiterzukommen: Gemeinsam bewegen sie Gegenstände, die sie alleine nicht bewegen können. Oder sie helfen einander, Orte zu erreichen, die sie alleine nicht erreichen können. Dabei kommt das Spiel praktisch ohne Text aus, die Brüder kommunizieren in einer Fantasiesprache und durch Gestik, die intuitiv erfasst wird.

Ewige Suche nach Unsterblichkeit

«Brothers» erzählt nicht nur eine fantastische Geschichte der Brüderlichkeit, mit Heldenreise und Fabelwesen. Das Spiel thematisiert auch den uralten Mythos des «Lebenswasser» und die damit verbundene Suche nach Unsterblichkeit. Mit dem Lebenswasser knüpft «Brothers» an entsprechende Erzählungen in den babylonischen und ägyptischen Epen und Mythen, in der Bibel und dem Koran, sowie in den Sagen und Märchen Europas an. In allen Varianten erlangen die Suchenden letztlich keine Unsterblichkeit, denn die ist den Göttern vorbehalten. Auch in «Brothers» kann das hart erkämpfte Lebenswasser keine Toten auferwecken, es wirkt aber heilend und belebend.

Seltene Tiefe
«Brothers» ist ein technisch solides Abenteuerspiel, das eine berührende Geschichte erzählt. Man identifiziert sich sofort mit den sympathischen und glaubwürdigen Brüdern, folgt ihnen gerne in die stimmungsvolle, aber zunehmend düstere 3D-Fantasiewelt, deren akustische Stille nur ab und an durch passende mystische Klänge durchbrochen wird. Es macht nichts, wenn die Rätsel seicht sind, die Spielzeit kurz und der Humor manchmal gar schräg ist, oder dass die originelle Steuerung punkto Geschicklichkeit nicht wirklich fordert. «Brothers» überzeugt letztlich damit, dass es mit jedem Detail und jeder Szene Bedeutung schafft, vor dem Hintergrund von Werten wie Verantwortung, gegenseitiger Hilfe und Solidarität. Und das ist eine seltene Spielerfahrung.


Angaben zum Spiel
Brothers: A Tale of Two Sons (Starbreeze Studios/505 Games 2013). Plattformen: Windows (Vista/7/8); Xbox 360; PlayStation 3. Offizielle Webseite: http://de.brothersthegame.com/ . Preis: 18.- (PC-Downloadversion). PEGI-Alterseinstufung: Ab 16 Jahren.


Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

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