«Apotheon»: Ein gelungenes Action-Kleinod

Mann gegen Olymp: Im Game «Apotheon» zeigen die Spieler dem Zeus, was ein Gott-im-Werden so drauf hat. Ein rassiges Spiel, aber mit etwas lahmer Story.

Der Götterkönig Zeus pfeift auf den Bund mit den Menschen und wendet sich mitsamt dem Olymp von den Sorgen Sterblicher ab, so dass die Welt dem Chaos und der Zerstörung anheim fällt. Der Kämpfer Nikandreos, aus der Seitenperspektive gesteuert, erhält von Göttin Hera die Chance, Zeus und seinesgleichen abzusetzen und Erlösung für die Menschen zu erwirken.

Bis es zum finalen Showdown kommt, kämpft sich der Held durch unterschiedliche Orte des Olymp, erledigt diverse Haupt- und Nebenquests und schlachtet dabei viele kleinere und grössere Gegner ab, stilisiert, aber dennoch brutal inszeniert.

Als Belohnung winken Nah- und Fernkampfwaffen, Rüstungen, Zauber, Tränke und Gold. Manche gefundene Gegenstände und Zutaten lassen sich in einem simplen Crafting-System zu nützlichen Bomben oder Heiltränken verarbeiten, gesammeltes Gold wiederum wird gegen Crafting-Rezepte, Waffen und verbesserte Kampffähigkeiten getauscht.

Griechische Vasenmalerei

Während viele Spielerzählungen sich eher diskret an der griechische Mythologie orientieren, serviert «Apotheon» ihre Orte und Charaktere nicht nur als Hauptgang, sondern auch im ansehnlichen Stil der griechischen Vasenmalerei. Götter und mythische Wesen werden teils mit einigen Strophen aus den Werken von Homer, Orpheus, Euripides u.a. eingeführt und liefern oft ihre eigenen Aufträge zur Abwendung der Katastrophe: Im Wald von Artemis ist ein fieser Wolf zu bekämpfen, ehe die Göttin die Wälder der Menschen wieder mit Wild füllt; die in den Hades geworfene Persephone muss zurückgeholt werden, ehe ihre Mutter Demeter die Felder wieder fruchtbar macht usw.

Hin und wieder werden religiöse Rituale als Spielfunktionen eingesetzt. So dient der Altar des Windgottes Zephyr als Teleporter, um zwischen unterschiedlichen Bereichen des weitläufigen Olymp zu wechseln, und auf den Altären der Nymphen können Gegenstände geopfert werden, um deren Segen – ein spielerischer Vorteil – zu erhalten.

Nur der grosse Rahmen der Erzählung kommt etwas ungriechisch daher: Die Weltvernichtung des Zeus und das Wüten des «gottgemässen» (gr. apotheosis) Helden auf dem Olymp lässt eher an eine Mischung aus Apokalypse und klassenkämpferischer Religions- und Elitenkritik denken – «jetzt hauen wir die da oben auf die Matte» –, denn an die Erzählungen der alten Griechen, wo alles Geschehen einer ewigen zyklischen und ausgleichenden Ordnung unterliegt, und wo Revolutionen, Endzeit und Totalvernichtung kaum ins Programm gehörten.

Fordernde Kampfmechanik

Die abgenutzte und spartanisch inszenierte Rahmenhandlung ist aber nur Beiwerk. «Apotheon» glänzt durch seine rassige und fordernde Kampfmechanik. Um die Götter in den Hypnos zu klopfen, braucht es nicht nur schnelle Finger, sondern auch Taktik bei der Vorgehensweise und dem Einsatz von Waffen. Diese muss durch Beobachtung und geschickte Bedienung der Steuerung erst ausgetüftelt werden.

Die Items dazu sind grosszügig über die Levels verteilt, führen aber auch im eigenen Inventar zu Materialschlachten, wo sie als zu kleine und schlecht unterscheidbare Symbole besonders in der Hitze des Gefechts übersehen oder unabsichtlich gewählt werden. Dieselbe Schwierigkeit zeigt sich in den an sich schönen, abwechslungsreichen und frei begehbaren Levels, wo die Grafik zu wenig klar anzeigt, welche Gegenstände interaktiv sind. Achillesferse beiseite: «Apotheon» ist ein gelungenes Action-Kleinod, das griechische Mythologie in faszinierender Grafik inszeniert.


Angaben zum Spiel
Apotheon (Alientrap Games 2015). Sprache: Englisch, wenig Text. Plattformen: Windows XP/Vista/7/8; Mac OS X; GNU/Linux; PlayStation 4. Offizielle Webseite: http://www.apotheongame.com/ PEGI-Alterskennzeichnung: ab 16 Jahren.

Über den Autor
Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion. Forschungswebseite: http://www.god-mode.ch/