AG: Kirchgemeinden engagieren sich verstärkt für Flüchtlinge

Seit einem Aufruf von Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg sind in den Aargauer Kirchgemeinden einige Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen entstanden. Im Alleingang können die Kirchgemeinden allerdings nur wenig erreichen. Es braucht die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und Hilfsorganisationen.

In der Kirche Villmergen sollen demnächst Flüchtlingskinder unterrichtet werden.
In der Kirche Villmergen sollen demnächst Flüchtlingskinder unterrichtet werden. (Bild: zVg)

Das Elend der Flüchtlinge erschüttere ihn zutiefst, schrieb der Kirchenratspräsident der Aargauer Landeskirche, Christoph Weber-Berg, am 4. Mai 2015 in einem Blog-Eintrag. Dringlich rief er die Kirchgemeinden auf, «zu prüfen, ob ungenutzte oder unternutzte Liegenschaften vorübergehend oder auch längerfristig für die Aufnahme von Flüchtlingen verwendet werden könnten». Um Fragen aus den Kirchgemeinden zu Asyl, Flüchtlingen und Migration zu beantworten, bestimmte die Aargauer Landeskirche die Fachstelle «Weltweite Kirche» als Informationsdienst und Anlaufstelle.

Zögerliche Anfänge

Fünf Monate nach Weber-Bergs Aufruf publizierte die Fachstelle eine erste Zwischenbilanz. «Noch nicht sehr viel, aber Einiges» sei in den Aargauer Kirchgemeinden bereits in Gang gekommen, hiess es in der Mitteilung vom 5. Oktober. So stellte die Kirchgemeinde Lenzburg eine Wohnung für die Aufnahme von Asylsuchenden zur Verfügung, und in der Kirchgemeinde Buchs-Rohr konnten im Pfarrhaus Buchs-Ausserdorf immerhin temporär Flüchtlinge einquartiert werden. Zwar sei die Hilfsbereitschaft gross, doch ein «wie auch immer gearteter Einsatz benötigt viele Absprachen und Bewilligungen», machte man bei der Fachstelle geltend. Ein anderes Problem zeigte sich in der Kirchgemeinde Suhr-Hunzenschwil: Hier hatte man zwar eine geeignete Liegenschaft gefunden, doch die Sanierungskosten waren für die Kirchgemeinde nicht tragbar.

Hürdenlauf

Und wie ist die Situation heute? Gemäss Sonja Zryd von der Fachstelle «Weltweite Kirche» ist Bewegung in die Kirchgemeinden gekommen. «Das Bewusstsein, dass man sich auf die Ankunft von Asylsuchenden vorbereiten muss, ist deutlich gestiegen», meint Zryd. Rund zehn Projekte von Kirchgemeinden sind der Fachstelle bekannt; fünf Monate zuvor waren es noch halb so viel gewesen. Es sei erfreulich, dass viele Kirchgemeinden ihre Bedenken inzwischen abgelegt hätten. Klar sei aber auch, dass nur eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden, den Betreuern vor Ort und Institutionen wie dem Verein «Netzwerk Asyl Aargau» sinnvoll sei.

Die neueste Erfolgsmeldung kommt aus der Kirchgemeinde Wohlen. Hier erklärte sich die Kirchenpflege bereit, einen Teil der Kirche in Villmergen für die Einschulung von Flüchtlingskindern zu vermieten. Vorgängig muss allerdings ein Umnutzungsgesuch von der Gemeinde bewilligt werden, wie die «Aargauer Zeitung» am 25. Februar berichtete. Die Nutzung weiterer Räume hänge zudem von der Bewilligung einer Gesamtsanierung ab, heisst es weiter. Wohlen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Hilfsprojekte in den Kirchgemeinden oft gesetzliche Hürden überwinden müssen. Auch wenn der Wunsch zu helfen gross ist.