Jede zweite Person findet Religion wichtig

Fast jede zweite Person glaubt an einen einzigen Gott und jede vierte Person an eine höhere Macht. Über 20 Prozent der Bevölkerung geben an, keine Religion zu haben, aber nur 12 Prozent bezeichnen sich als atheistisch. Dies sind erste Ergebnisse aus einer vom Bundesamt für Statistik durchgeführten Erhebung zu Sprache, Religion und Kultur.

Religion ist für viele wichtig: Feier im Berner Münster. (Bild: Reformierte Medien)

Obschon religiöse Einrichtungen immer seltener aufgesucht würden, blieben die religiösen und spirituellen Praktiken und Glaubensformen nicht nur erhalten, sie werden auch vielseitiger, so das Bundesamt für Statistik (BFS) in einer Mitteilung vom 22. April.

Von den katholischen bzw. protestantischen Befragten gaben 59 bzw. 46 Prozent an, an einen einzigen Gott zu glauben. Der Anteil der Personen, die eher an eine höhere Macht glauben, entsprach einem Fünftel (20 Prozent) bzw. einem Drittel (30 Prozent). Bei evangelikalen Gemeinden (92 Prozent) und den muslimischen Gemeinschaften (90 Prozent) ist der Anteil der Personen, die an einen einzigen Gott glauben, deutlich höher.

Muslime beten weniger als Protestanten

Der Anteil der Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung nie gebetet haben, ist bei den muslimischen Gemeinden höher (40 Prozent) als bei den Mitgliedern der protestantischen (34 Prozent) und der katholischen Kirche (26 Prozent).

Die Mitglieder evangelikaler Gemeinden praktizieren ihren Glauben viel intensiver. So besuchten 72 Prozent mindestens einmal pro Woche einen Gottesdienst, 34 Prozent beteten mehrmals täglich und 51 Prozent täglich oder fast täglich.

Mehr als jede fünfte Person (22 Prozent) gab an, keine Religion zu haben; davon bezeichneten sich ein Drittel als atheistisch und ein Viertel als agnostisch. Bei den Konfessionslosen hingegen glaubte jede zehnte Person an einen einzigen Gott und 31 Prozent an eine höhere Macht.

Während gerade einmal 3 Prozent der Konfessionslosen in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens einmal pro Monat einen Gottesdienst in einer religiösen Einrichtung besucht haben, haben 12 Prozent eine religiöse oder spirituelle Veranstaltung über ein Medium, d.h. am Fernsehen, am Radio oder im Internet, verfolgt.

Frauen sind häufiger gläubig und spirituell

Frauen beten im Allgemeinen häufiger als Männer; 35 Prozent der Frauen gaben an, täglich oder fast täglich zu beten. Dieser Anteil betrug bei den Männern 20 Prozent. Frauen neigen auch eher dazu, sich mit verschiedenen Glaubensformen zu befassen. So glauben beispielsweise 58 Prozent der Frauen und lediglich 37 Prozent der Männer eher oder sicher an Engel oder übernatürliche Wesen.

Religion und Spiritualität sind in schwierigen Momenten wichtig

Religion oder Spiritualität spielte bei mehr als jeder zweiten Person (56 Prozent) eine eher oder sehr wichtige Rolle in schwierigen Momenten des Lebens und bei 47 Prozent im Falle einer Krankheit. In Bezug auf die Einstellung gegenüber Natur und Umwelt sowie auf die Kindererziehung war Religion oder Spiritualität bei 43 bzw. 47 Prozent der befragten Bevölkerung von Bedeutung.