Frau Rudloff, nach 2013 kommt ein weiterer TV-Gottesdienst aus der Schweiz auf die deutschen Bildschirme. Was interessiert Fernsehzuschauer in Deutschland an einem reformierten Gottesdienst aus der Schweiz?
Viele Zuschauer kennen die Schweiz aus dem Urlaub, haben schöne Erinnerungen und hören gerne den Schweizer Zungenschlag. Aber natürlich gehe ich bei den etwa 700‘000 Zuschauern, die in Deutschland den Gottesdienst sehen werden, nicht davon aus, dass sie gezielt einen reformierten Gottesdienst aus der Schweiz suchen und deshalb einschalten. Trotzdem interessieren sich die Zuschauer für die Unterschiede zwischen lutherischer, unierter und reformierter Liturgie. So kam bei den Zuschauern nach der Übertragung des Gottesdienstes aus dem Grossmünster vor zwei Jahren auch die Frage auf, warum in der reformierten Kirche kein Altar steht. Mir selbst liegt viel daran, mit diesen Übertragungen aus der Schweiz die Vielfalt des Protestantismus in den Gottesdiensten deutlich zu machen.
Warum fiel die Wahl auf das Fraumünster in Zürich?
Die evangelischen Fernsehgottesdienste im ZDF behandeln bis zum Reformationsjubiläum 2017 immer ein bestimmtes Jahresthema. In diesem Jahr heisst es «Reformation − Bild und Bibel». So sind die reformierte Radio- und TV-Beauftragte der deutschen Schweiz, Pascale Huber, und ich darauf gekommen, einen Gottesdienst aus dem Fraumünster zu senden. Unsere Zuschauer kennen und lieben die Chagallbilder aus der St. Stephanskirche in Mainz. Sie werden es daher geniessen, die Chagallbilder aus dem Fraumünster in Grossaufnahme zu sehen. Auch unsere Zuschauerberater reagierten begeistert, als wir ihnen diesen Sendeort vorgestellt haben.
Aufgezeichnet wird der Gottesdienst von Ihren Schweizer Kolleginnen und Kollegen. Was ist dabei Ihre Aufgabe?
Ich verantworte diesen Gottesdienst als Senderbeauftragte gegenüber dem ZDF und in der Rundfunkarbeit der Evangelischen Kirche Deutschlands. Daher stimme ich mich mit meiner Kollegin Pascale Huber über die Inhalte, die Gestaltung und das Auftreten der Beteiligten ab. So hat Fraumünster-Pfarrer Niklaus Peter im vergangenen Jahr auch unser Vorbereitungsseminar in Berlin besucht.
Gibt es Besonderheiten, die bei der Aufzeichnung aus der Schweiz beachtet werden müssen?
Manche Ausdrücke haben in der Schweiz eine andere Bedeutung als in Deutschland. Um Missverständnisse zu vermeiden, suchen wir daher nach Synonymen, die in beiden Sprachen die gleiche Bedeutung haben.
Sie kennen Zürich berufsbedingt. Was mögen Sie an der Limmatstadt?
Bei meinem ersten Besuch hat mich Pascale Huber in die Jules-Verne-Panoramabar geführt und mir diesen wunderbaren Ausblick über die Stadt gezeigt. Auch die Altstadtgassen sind mir mittlerweile vertraut. Das letzte Mal war sogar Zeit für einen kleinen Abstecher ins Kunsthaus zu Giacomettis Werken. Mir gefällt Zürichs internationale Atmosphäre auch im Kleinen: Da erklärte mir doch ein serbischer Taxifahrer in herrlich balkangefärbtem Schweizerdeutsch, er sei Fan von Borussia Dortmund.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Sendetermine des Gottesdienstes aus dem Fraumünster:
SRF 1: Sonntag, 8. März 2015, 10 Uhr
ZDF: Sonntag, 22. März 2015, 9.30 Uhr