100’000 Franken zum Schutz der Zürcher Juden

Der Gemeinderat Zürich spricht Geld für die Sicherheit von religiösen Minderheiten. Der Grossteil des Betrags wird wohl den jüdischen Gemeinden zugutekommen.


Eigentlich hatte der Stadtrat angekündigt, den Schutz für religiöse Minderheiten finanziell unterstützen zu wollen. Bund und Kanton hatten zuvor schon Gelder zum gleichen Zweck gesprochen. Doch im Budget der Stadt war dafür kein fixer Betrag eingeplant. GLP-Gemeinderat Ronny Siev hat deshalb einen Antrag für 100’000 Franken eingebracht.

Juden nicht alleine lassen

Der Schutz der jüdischen Gemeinden sei dringend nötig, das würden die tödlichen Anschläge in letzter Zeit zeigen, sagte Siev laut dem Tages Anzeiger. Der Hintergrund: Im deutschen Halle versuchte im November ein schwerbewaffneter Mann in eine Synagoge einzudringen. Er schaffte es nicht, erschoss danach zwei zufällig ausgwählte Personen. In New Jersey in den USA kamen kürzlich bei einem Attentat auf einen koscheren Supermarkt sechs Menschen ums Leben. «Es kann nicht sein, dass eine gefährdete Gruppe alleingelassen wird», so Gemeinderat Siev.

Siev erhielt für seinen Antrag breite Unterstützung von links bis rechts. Nun ist der Posten für die Sicherheit religiöser Minderheiten im Budget verankert. Auch andere Religionsgemeinschaften können davon profitieren, doch grösstenteils wird das Geld wohl an jüdische Gemeinden gehen. Sie geben in der Stadt Zürich rund zwei Millionen Franken für ihre Sicherheit aus, für Zäune, Mauern, Überwachungskameras, Alarmanlagen oder Sicherheitspersonal.

Willkommene Unterstützung – aber nicht genug

Auf jüdischer Seite freut sich über diese Unterstützung. Gegenüber dem Tages Anzeiger sagte der Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), Jonathan Kreutner:  «Wir werten das als ein weiteres starkes Zugeständnis, dass die jüdische Gemeinschaft in Zürich eine teilweise Entlastung bei den hohen Sicherheitsaufwendungen erwarten kann». Der SIG wünscht sich dennoch weitere Massnahmen. Denn auch die Gelder des Bundes würden die jüdischen Gemeinden nur wenig entlasten. (mos)