Im Wettbewerb, den die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) jüngst zur Schaffung einer neuen Schweizer Nationalhymne lanciert hat, mischen auch die Reformierten Kirchen mit. Anne Durrer vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund bestätigt, dass der SEK bereits vor Jahresfrist eine Kommission unter der Leitung von Dr. Andreas Marti, dem bekannten Kirchenmusik-Experten und Fachmann für Liturgik und Hymnologie beauftragt hat, von reformierter Seite einen Vorschlag für eine Schweizer Nationalhymne zu präsentieren.
Ausschliesslich populäre Musikstücke
Wie ref.ch aus gut informierter Quelle erfahren hat, sind die Vorschläge ab heute im Internet und vor allem auf den sozialen Medien (Facebook) abrufbar. Erstaunlich: Es handelt sich ausschliesslich um populäre Musikstücke aus den letzten fünfzig Jahren. Neben dem bekannten Lied «We are the champions» (der Musikgruppe «Queen») und dem eher unbekannten Titel «Love Supreme» (Robbie Williams) schwang die Hymne «All you need is Love» der englischen Musikgruppe «The Beatles» obenaus – auch aus ökumenischen Gründe. Nicht in die Ränge kamen «Winds of change» (Scorpions), «Alperose» (Polo Hofer) und das volkstümliche Lied «Schacher Seppli» (Ruedi Rymann).
Überlebtes Liedgut
Dr. Andreas Marti verteidigt die ausschliessliche Wahl populärer Musiktitel mit einem Verweis auf Johann Sebastian Bach, der sich auch beim volkstümlichen Liedgut bedient habe: «Die Melodie des Kirchenlieds ‚O Haupt voll Blut und Wunden‘ war zu Bachs Zeit ein volkstümlicher Schlager, der auch in Trinkstätten gesungen wurde.»
Die Kommission habe sich vom Gedanken leiten lassen, dass nicht nur der heutige «Schweizerpsalm» als Nationalhymne überlebt und veraltet scheine, sondern auch ein Teil des Liedguts im Reformierten Kirchengesangbuch. «Dennoch war es uns wichtig, dass die Annäherung an das Göttliche auch in unseren Vorschlägen für eine neue Nationalhymne aufscheint.»
Dies sei in den Kommissions-Vorschlägen durchwegs der Fall, wie etwa die Wahl von «Love Supreme» (von der Kommission übersetzt als «überwältigende Liebe») aufzeige. Der Titel «We are the champions» sei geeignet, der Schweiz – und auch den reformierten Kirchen – zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Es handle sich dabei übrigens um einen bekannten Choral, der auch in Fussballstadien erklinge; die Kommission habe ihn in Deutschschweizer Dialekt übersetzt mit «Mir si Sibesieche».
Spitzenreiter: The Beatles
Als eindeutiger Spitzenreiter habe sich jedoch «All you need is Love» der bekannten Musikgruppe «The Beatles» aus den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts durchgesetzt: «Vor allem die Redundanz des Hinweises, dass die Liebe das höchste Bedürfnis in der ontologischen Daseinsbewältigung darstellt, hat die Kommission überzeugt», meint Hymnologie-Experte Marti. Auch ökumenische Gründe hätten eine Rolle gespielt: «Das Lied ist auch in der katholischen Kirche bekannt und akzeptiert und kann an ökumenischen Anlässen in derselben Text- und Melodieversion gesungen werden.»
Hymnologie-Experte Marti zeigt sich überzeugt von der Qualität der Kommissionsvorschläge für eine neue Schweizer Landeshymne, die innerhalb und ausserhalb der reformierten Kirchen musikalische Kreise ziehen werde: «Unsere Vorschläge berücksichtigen die säkularen Bedürfnisse ebenso wie die im alten ‚Schweizerpsalm‘ enthaltene religiöse Bedeutungshoheit. In der neuen Hymne wird Liebe als wichtigste und höchste Qualität der menschlichen Idee von Gott dargestellt – was ihr sicher gefallen wird.»
Die Vorschläge der Kommission sind auf Facebook zu finden. Oder sie können per Mail bestellt werden: palette@ref.ch
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