Iran

Zwei Jahre Haft wegen fehlendem Kopftuch

Irans Sittenwächter wollen die Protestbewegung mit drastischen Strafen ersticken. Eine Ladenbesitzerin muss lange hinter Gitter, weil sie ihr Haar unbedeckt zeigte.

Für Gegnerinnen des streng islamischen Regimes im Iran ist das Kopftuch das Symbol der Unterdrückung schlechthin. Nun wurde eine Ladenbesitzerin zu einer drastischen Strafe verurteilt, weil sie Fotos veröffentlicht hat, die sie mit unbedecktem Haar zeigen. Gemäss der Menschenrechtsorganisation HRANA wurde Seinab Cheniabpur zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Den Aktivisten zufolge war die Frau aus dem Südwesten des Landes schon Anfang Dezember in einem anderen Fall wegen «Propaganda gegen den Staat» zu drei Monaten Haft verurteilt worden. Seinab Cheniabpur hatte im Rahmen der landesweiten Proteste Aufmerksamkeit erlangt, als die Behörden ihr Geschäft schliessen liessen.

Vor mehr als einem Jahr hatte der Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini die bislang schwersten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik ausgelöst. Monatelang gingen vor allem junge Menschen auf die Strassen, um gegen das islamische Herrschaftssystem zu demonstrieren. Amini war nach einem mutmasslich gewaltsamen Zusammenstoss mit den berüchtigten Sittenwächtern ins Koma gefallen und kurz darauf verstorben. Der Staat reagierte mit äusserster Härte. Mehr als 500 Personen wurden durch die Sicherheitskräfte getötet. Bis im März 2023 wurden 143 Menschen hingerichtet. Zehntausende junge Iranerinnen und Iraner landeten im Gefängnis.

Trotzdem ignorieren immer mehr Frauen das obligatorische Kopftuch. Die strengen Bekleidungsvorschriften, die vor allem das Äussere von Frauen regeln, gelten im Iran seit der islamischen Revolution im Jahr 1979, als die Monarchie zugunsten einer islamischen Republik abgeschafft wurde. Frauen sind nicht nur verpflichtet, ihr Haar in der Öffentlichkeit zu bedecken, auch müssen sie lange Kleidung tragen, die ihre Figur verschleiert. (sda/ eba)