Pfarrmangel

Zürichseegemeinde will «mehr Glitzer»

Die Mitgliederzahlen in den reformierten Kirchgemeinden sinken, und Pfarrstellen zu besetzen wird schwieriger. Eine Gemeinde am Zürichsee sorgt nun mit einem Stelleninserat für Aufsehen.

Auf pinkem Hintergrund steht ein grauer Esel neben einem farbenfrohen Einhorn. «Willst du mehr Regenbogen? Wir freuen uns auf dich. Eine Pfarrstelle mit mehr Glitzer». Das verspricht die Reformierte Kirchgemeinde Stäfa Hombrechtikon ihrer künftigen Pfarrperson.

Das Inserat sei bewusst unkonventionell gestaltet, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren, sagt Monika Götte, reformierte Pfarrerin in der Kirchgemeinde, auf Anfrage von ref.ch. «Frische Ansätze und glitzernde Ideen sind bei uns gefragt», sagt Götte. Sie und ihre Pfarrkollegen hätten durchaus unkonventionelle Ansätze.

Beispielsweise seien sie während der Corona-Pandemie mit dem Alphorn durch das Dorf gezogen und hätten unter Balkonen gepredigt oder sie richteten vor der Migros mit einem Zelt und einer Bank eine «Guerilla-Kirche» ein, um beim Wochenendeinkauf Gesprächsmöglichkeiten zu schaffen. Auch zum Speeddating haben die Pfarrpersonen schon in die Kirche geladen.

Das Inserat spreche nicht explizit Menschen aus der queeren Gemeinschaft an, also lesbische, schwule oder transgender Personen. Selbstverständlich sei die Kirchgemeinde aber offen für Bewerbungen von LGBTQI-Persönlichkeiten. Das Inserat habe bisher noch nicht den gewünschten Erfolg erzielt. «Der Rücklauf war katastrophal. Wir hatten zwar viele Interessenten, haben aber noch keine einzige Bewerbung erhalten», sagt Götte. Der Markt sei sehr ausgetrocknet. Die Bewerbungsfrist läuft noch, Dossiers können bis zum 13. Januar 2023 eingereicht werden. (jow)