Zürcher Kirchen verzichten auf das Glockengeläut

Die Kirchen überdenken ihre Praxis, was das Glockengeläut betrifft. Wie der Tages-Anzeiger am 11. August schreibt, sind bereits über die Hälfte der Kirchen in der Stadt Zürich nachts stumm.

Auf den Boden geschraubt werden sie auch in Zukunft nicht: die Glockenklöppel. Bild: Cropbot/Wikimedia

In den vergangenen Jahren waren es meist Privatpersonen, die gegen den nächtlichen Stundenschlag von Kirchtürmen vor Gericht zogen – und verloren. Selbst das Bundesgericht musste sich bereits mit einer Lärmklage befassen und stellte sich mit der Begründung hinter die Kirchen, dass ein «überwiegendes öffentliches Interesse an der Aufrechterhaltung dieser Tradition» bestehe.

Nachts bleiben bereits viele Kirche stumm

Wie der Tages-Anzeiger in einem ganzseitigen Artikel schreibt, sind es nun immer mehr die Kirchgemeinden, welche von sich aus auf den Stundenschlag verzichten. So bleiben in 31 der insgesamt 58 reformierten und katholischen Kirchen in der Stadt Zürich die Glocken ab 22 Uhr oder Mitternacht bis 6 Uhr oder 7 Uhr morgens stumm. Dies hätten Recherchen der Zeitung ergeben.

Kein Bezug zum Christsein

Eine Praxisänderung würden auch weitere Kirchegemeinde überdenken. Gerade jüngst einen Verzicht beschlossen habe die reformierte Kirchgemeinde Altstetten. Ihr Präsident Franz Grossen sagte gegenüber der Journalistin, dass nicht jedermann die gleiche Beziehung zum kirchlichen Glockenschlag habe. Er verstehe darum, dass sich vor allem Neuzuzüger durch den nächtlichen Stundenschlag belästigt fühlen. Sein Amtskollege Jean E. Bollier von der Kirchgemeinde Höngg berichtet, dass auch seine Kirchenpflege sich entschieden habe, «proaktiv zu handeln» und den Höngger Stundenschlag nachts einzustellen. Für Bollier habe das nächtliche Schlagen keinen Bezug zum Christsein.

Der Tages-Anzeiger führte auch eine Online-Umfrage durch, ob man sich in der Nacht durch Kirchenglocken gestört fühle. 67 Prozent der Teilnehmenden verneinten die Frage (bei rund 1400 abgegebenen Stimmen).