«Alle Bemühungen, dass die hier bestens integrierte Familie in der Schweiz bleiben kann, waren leider vergeblich», ist in einer Mitteilung vom 10. Juni auf der Homepage der reformierten Kirche Kilchberg zu lesen. Anfangs dieser Woche sei der Kirchgemeinde unmissverständlich mitgeteilt worden, dass die Familie die Schweiz definitiv verlassen müsse, heisst es in der Mitteilung, die von der Kilchberger Pfarrerin Sibylle Forrer und ihrem Mann Daniel Ernst unterzeichnet worden ist.
Danach sei es der Kirchgemeinde ein Anliegen gewesen, der Familie eine einvernehmliche Ausreise zu ermöglichen. «Dies ist uns in engem Kontakt mit der kantonalen Sicherheitsdirektion, der Zürcher Landeskirche und dem Unterstützungskomitee ‹Hier zuhause› gelungen.»
Die Familie habe am Mittwochabend Abschied von ihren engsten Freunden genommen und sei am Donnerstagmorgen ohne Widerstand in Begleitung der Polizei, eines Arztes und einem Mitglied der Antifolterkommission nach Moskau ausgereist.
Zwangsausschaffung verhindert
«Obwohl wir bis zuletzt vergeblich dafür gekämpft haben, dass die Familie in der Schweiz bleiben kann, war das Kirchenasyl insofern doch erfolgreich, als dadurch eine Zwangsausschaffung verhindert werden konnte. Bei einer Zwangsausschaffung durch die Polizei wären für die Familie alle vereinbarten Rückkehrhilfen von Seiten der Behörden entfallen», heisst es in der Mitteilung auf der Homepage.
Die Familie sei seit Donnerstagabend in Moskau und reise nun weiter nach Tschetschenien. «Wir bleiben mit der Familie in Kontakt und werden alles daran setzen, dass der Familie in Tschetschenien eine gute Zukunft ermöglicht wird», heisst es weiter.
Im Mai hatte die Kirchgemeinde Kilchberg der Familie Kirchenasyl gewährt. Zwei Mal hatte die Polizei bis dahin versucht, die Familie zwangsmässig auszuschaffen.
Die sechsköpfige Familie lebte seit viereinhalb Jahren in Kilchberg. Seit Anfang März stand jedoch fest, dass sie die Schweiz verlassen muss. Das Bundesverwaltungsgericht hatte einen letzten Rekurs gegen den Ausschaffungsentscheid abgelehnt.
Vater dankt Bevölkerung und Kirche
Unterstützung erhielt die Familie vom Komitee «Hier zuhause», das von rund 2600 Personen aus der ganzen Schweiz getragen wird. Laut diesem Komitee besteht nach wie vor die Gefahr, dass die Familie in Tschetschenien verfolgt wird.
Das Komitee kündigte am Donnerstagabend an, es werde mit einem Härtefallgesuch «für eine Beurteilung der rechtlichen Situation der Familie und insbesondere der Kinder in der Schweiz besorgt sein». Alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel würden ausgeschöpft.
Der Vater der Familie erklärte gemäss «Hier zuhause», sie könnten den Kindern «dieses Leben in ständiger Angst und ständigem Druck» nicht mehr länger zumuten. Er danke der Bevölkerung in Kilchberg und der reformierten Kirche für die grosse Unterstützung. (sda/ref.ch)