Seit 50 Jahren sind Frauen im Kanton Zürich als Pfarrerinnen zugelassen. Anlässlich dieses Jubiläums hat eine Arbeitsgruppe des Zürcher Pfarrvereins ein Positionspapier verfasst, das die heutige Situation der Pfarrerinnen analysiert und Massnahmen gegen die Ungleichheit fordert.
Die Kirche als Arbeitgeberin solle beispielsweise der veränderten gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen und Stellenbedingungen schaffen, die es ermöglichten, Erziehungs- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt auf beide Elternteile zu verteilen, schreiben die Verfasserinnen.
Sie weisen darauf hin, dass über zwei Drittel der Pfarrerinnen auf Teilzeitstellen arbeiten, während bei den männlichen Kollegen das Verhältnis gerade umgekehrt sei. Die Stellensituation im Pfarramt sei damit für Pfarrerinnen unsicherer, da gesplittete Stellen und Ergänzungspfarrstellen bei Gemeindefusionen oft als erste gestrichen würden. Fusionen und Stellenkürzungen dürften daher nicht in erster Linie zulasten von Teilzeitstellen gehen.
Pfarrerinnen seien zudem in leitenden Positionen in der Zürcher Landeskirche untervertreten, heisst es im Papier, im Kirchenrat fehlten sie sogar ganz. In keinem Gremium erreiche ihr Anteil 38 Prozent (der Prozentsatz entspricht dem Anteil der Frauen im Pfarramt): «Die massive Untervertretung der Pfarrerinnen erstaunt umso mehr, als an der Basis unserer Kirche die aktiv mitwirkenden Frauen gegenüber den Männern deutlich in der Überzahl sind», heisst es. Die Arbeitsgruppe fordert deshalb eine Zielvorgabe von 40 Prozent Frauen in kirchlichen Leitungspositionen.
Im weiteren orientiere sich die Residenzpflicht im Pfarrhaus am alten Bild des Pfarrers, der 100 Prozent arbeite und Familienvater sei. Die Wohnsitzpflicht und die Residenzpflicht sollen deshalb neu diskutiert werden.
Das Positionspapier ist hier greifbar.