Deutschland

Gründerinnen von «Maria 2.0» verlassen katholische Kirche

Sie wollten die katholische Kirche von innen verändern und stiessen dazu eine viel beachtete Bewegung an. Nun verlassen Elisabeth Kötter und Andrea Voss-Frick die Institution.

Die beiden Initiatorinnen der deutschen Kirchenreformbewegung «Maria 2.0», Elisabeth Kötter und Andrea Voss-Frick aus Münster, wollen aus der katholischen Kirche austreten. Sie wollen zwar weiter katholisch bleiben, aber nicht mehr Mitglied «der öffentlich-rechtlichen Institution römisch-katholische Kirche» sein, sagte Andrea Voss-Frick dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag.

Sie habe einsehen müssen, dass es unmöglich sei die Hierarchien und Machtstrukturen in der katholischen Kirche zu ändern, erklärte Voss-Fricke. Wenn sich reformwillige Katholikinnen und Katholiken öffentlich äusserten, müssten sie immer wieder erleben, dass es Absagen oder ein Veto «der Herren aus Rom» gebe. Als aktuelle Beispiele nannte sie die Fälle von sexueller Gewalt durch Priester oder das Verbot aus Rom zur Segnung homosexueller Paare.

Elisabeth Kötter nennt Gewissensgründe für ihren Austritt. Sie wolle nicht behaupten, «dass die Menschen, die in der Kirche blieben, das Falsche tun». Es gebe für viele auch Gründe dafür. Aber sie habe in den letzten Jahren so viel über die römische Kirche erfahren müssen, dass sie nun gehe. Sie spreche hier ausschliesslich von sich selbst, betonte sie.

Mitgliedschaft = Komplizenschaft?

Dem Westdeutschen Rundfunk sagte Kötter am Donnerstag zudem, für sie stelle sich die Frage, ob eine Mitgliedschaft in dieser Institution nicht auch Komplizenschaft sei. «Für mich ist der Punkt gekommen, dass ich das mit meinem Gewissen eben nicht mehr vereinbaren kann.» Sie werde sich weiter bei «Maria 2.0» engagieren. «Ich werde mir auch weiterhin nicht das Recht nehmen lassen, Kritik zu üben und zu versuchen, Dinge in Bewegung zu setzen.»

Die 2019 gegründete Initiative «Maria 2.0» setzt sich für mehr Beteiligung und Rechte von Frauen in der katholischen Kirche ein. Sie fordert mehr Gleichberechtigung von Frauen und ihren Zugang zu allen kirchlichen Ämtern. Im Zuge der Bewegung wurden verschiedene Protestaktionen und Kirchenstreiks durch Ehrenamtliche durchgeführt. Ausgangspunkt dafür war vor zwei Jahren Münster. (epd/vbu)