Katholische Kirche

Über 230 Theologie­professoren protestieren gegen Segnungsverbot

Das vom Vatikan ausgesprochene Segnungsverbot für homosexuelle Paare wirft seit Tagen hohe Wellen. Nun regt sich auch Widerstand in akademischen Kreisen.

So etwas hat es in der katholischen Kirche lange nicht mehr gegeben: Mehr als 230 Theologieprofessoren und -professorinnen aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare.

Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei «von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt» und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, kritisieren die Experten. «Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert ist als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares.» In vielen Gemeinden würden Priester, Diakone und andere Seelsorgerinnen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten.

Die von einer Arbeitsgruppe der Universität Münster entworfene Stellungnahme war bis Montagnachmittag von 233 Theologieprofessoren unterzeichnet worden, darunter mehreren aus der Schweiz. Auch Vertreter kirchlicher Hochschulen haben unterschrieben, zum Beispiel Jesuiten aus St. Georgen und Lehrende von den katholischen Hochschulen in Eichstätt und Linz.

Verbot löst Proteststurm aus

Die römische Glaubenskongregation hatte am 15. März klargestellt, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürften, da dies «objektiv» nicht Gottes Wille sei (ref.ch berichtete). Der konservative Bischof von Passau, Stefan Oster, hatte danach erklärt, er sei dankbar für die Klarstellung und verbinde damit «die Hoffnung, dass sie Orientierung gibt, die angenommen wird, und damit auch grössere Einmütigkeit befördert». Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil eingetreten: Das Vorgehen des Vatikans hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm entfacht.

Die Stellungnahme der Theologieprofessoren erinnert an die sogenannte Kölner Erklärung von 1989. In diesem Memorandum mit dem Titel «Wider die Entmündigung» hatten ebenfalls mehr als 220 Theologieprofessorinnen und -professoren die nach ihrer Meinung autoritäre Kirchenpolitik des damaligen Papstes Johannes Paul II. kritisiert. (sda/no)