Wenig Besucher: Schweizer Kirchen in Wittenberg trotzdem zufrieden

Die Besucherzahlen des Reformationsjubiläums in Deutschland blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Dennoch sind die Betreiber des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung in Wittenberg zufrieden. Ihre Ausstellung «Prophezey - Die Schweizer Reformation» wird als einer der Höhepunkte gehandelt.

Rund 200 Personen besuchen den Schweizer Pavillon in Wittenberg täglich.
Rund 200 Personen besuchen den Schweizer Pavillon der Basler Architekten Christ und Gantenbein in Wittenberg täglich. (Bild: Stefano Graziani)

Ist das Reformationsjubiläum in Deutschland top oder ein Flop? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Zumindest was die Zahl der Besucher angeht, sei das Jubiläum «die Pleite des Jahres», schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 11. Juli. Sei es an der Weltausstellung in Wittenberg, dem Kirchentag in Berlin oder am Abschlussgottesdienst – überall seien die Besucherzahlen niedriger als erwartet. Mit 500 000 Besuchern hätten die Veranstalter während der vier Monate für die «Weltausstellung Reformation» in Wittenberg gerechnet – gekommen sind nach den ersten vier Wochen allerdings erst 40 000. Die Zeitung schreibt weiter: «Mancherorts setzt schon eine Debatte ein, wer für die Finanzlöcher am Ende aufkommen muss, die den Veranstaltern nun durch entgangene Einnahmen drohen.»

«Bei den Menschen angekommen»

Anders die Veranstalter, sie sprechen von einem Erfolg: «Die Weltausstellung Reformation ist bei den Menschen angekommen – und die Teilnehmerzahlen werden zunehmend stärker», sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Vereins Reformationsjubiläum gegenüber der deutschen Regionalzeitung Der Wochenspiegel. Auch vertreten sind die Schweizer Kirchen mit einem eigenen Pavillon, der von den Basler Architekten Christ und Gantenbein entworfen wurde. Er wird gar als einer der Höhepunkte der Weltausstellung gehandelt.

Erfolg misst sich nicht nur an Besucherzahlen

Seit Ausstellungsbeginn vor Ort ist Serge Fornerod, Leiter Aussenbeziehungen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK: «Die Weltausstellung ist ein grosses und mutiges Projekt der deutschen Kirchen. Dass die Schweizer Kirchen als einzige nichtdeutsche Kirche die ganze Zeit mit dabei sind, wird als positiv und bedeutsam wahrgenommen.» Rund 200 Personen besuchen laut Fornerod den Schweizer Pavillon täglich – im Vergleich zu den anderen Angeboten sei das viel. Er bedauert, dass in manchen Medien einzig die Besucherzahlen in den Fokus gestellt werden: «Das ist schade und falsch. Diese Zahlen sind nur ein Aspekt des Reformationsjubiläums.» So oder so sei es schwierig, im Vorfeld einer solchen Grossveranstaltung abzuschätzen, wie viele Besucher kommen, sagt Fornerod. Auch fehlen Erfahrungswerte: «Es gab sowas schlicht noch nie.»

Die Zürcher Bibel nachdrucken

Der Schweizer Pavillon mit dem Namen «Prophezey – die Schweizer Reformation» sei in seinem Erscheinungsbild und mit seinem Inhalt einzigartig. Als «Highlight» nennt Fornerod die nachgebaute Druckerpresse, mit der die Besucherinnen von Hand Bibelseiten drucken können. Bis zum Ende der Weltausstellung Anfang September soll nach dieser Methode das gesamte Neue Testament in der Übersetzung der Zürcher Bibel gedruckt sein, das dann an einer Feier dem Lutherhaus und der Stadt Wittenberg übergeben werden soll. Wer Wittenberg und den Schweizer Pavillon besuchen will, der soll mindestens zwei Tage einplanen, sagt Fornerod: «Erst so kommt man dank den Konzerten am Abend richtig in Reformationsfeststimmung.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.