Krieg in der Ukraine

Weltkirchenrat setzt weiter auf Dialog

Der Ökumenische Rat der Kirchen verhängt keine Sanktionen gegen die russisch-orthodoxe Kirche. Damit ist auch eine Forderung der Schweizer Reformierten vom Tisch.

Der ÖRK-Zentralausschuss hat an einer Tagung in Genf unter anderem über den Umgang mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill debattiert. (Bild: Keystone / Igor Palkin)

Die russisch-orthodoxe Kirche bleibt Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). An seiner Tagung vom 15. bis 18. Juni in Genf hat sich der Zentralausschuss des ÖRK gegen eine Suspendierung der russisch-orthodoxen Kirche aus dem Weltkirchenrat ausgesprochen.

An einer Pressekonferenz erklärte der neu gewählte Generalsekretär Jerry Pillay, der Weltkirchenrat habe die Aufgabe, die Einheit der Kirchen ins Auge zu fassen. Es sei deshalb richtig, den Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche aufrecht zu erhalten. «Wir müssen versuchen, einen fruchtbaren Dialog zu führen und auch die Perspektive der russisch-orthodoxen Kirche zu verstehen», sagte Pillay.

Motion vom Tisch

Der Entscheid des Zentralausschusses kommt wenig überraschend. Bereits am ersten Tag der Versammlung hatte der amtierende Generalsekretär Ioan Sauca betont, dass der ÖRK ein «Ort für den Dialog» sei. Es sei einfach, auszugrenzen und aus der Gemeinschaft auszuschliessen. «Aber wir sind aufgerufen, eine freie und sichere Plattform der Begegnung und des Dialogs zu nutzen, einander zu begegnen und einander zuzuhören, auch wenn wir einmal nicht einer Meinung sind», sagte Sauca.

Vom Tisch ist damit auch die Forderung der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), eine Suspendierung der russisch-orthodoxen Kirche aus dem ÖRK zu prüfen. Eine entsprechende Motion war in der Synode der EKS vom vergangenen Wochenende verabschiedet worden (ref.ch berichtete). Auch Theologinnen und Kirchenvertreter in Deutschland hatten den Weltkirchenrat dazu aufgefordert, die Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche auf Eis zu legen.

Treffen in Karlsruhe steht an

Der Moskauer Patriarch Kyrill hatte mit seinen Äusserungen zum Krieg in der Ukraine wiederholt für Entsetzen gesorgt. Unter anderem rechtfertigte Kyrill die russische Aggression als Verteidigungskrieg gegen den «dekadenten» Westen. Seit Kriegsbeginn ist Kyrill nicht von seinem Kurs abgewichen. Zuletzt hatte ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche betont, Versuche, den Patriarchen dazu zu zwingen, seine Ansichten aufzugeben, seien «sinnlos, absurd und perspektivlos».

Dem Weltkirchenrat gehören rund 350 christliche Kirchen mit insgesamt fast 600 Millionen Gläubigen an. Die römisch-katholische Kirche ist kein Mitglied, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen. Ende August trifft sich der Rat zu seiner mehrtägigen Vollversammlung in Karlsruhe. Erwartet wird auch eine Delegation der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill wird allerdings nicht vor Ort sein.