Krieg in der Ukraine

Theologen fordern Suspension der russisch-orthodoxen Kirche aus ÖRK

In einem offenen Brief setzen sich deutsche Theologen mit Nachdruck dafür ein, dass der Ökumenische Rat der Kirchen die Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche abbricht.

Theologen und kirchennahe Politiker aus Deutschland fordern einen
Stopp der Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) und der russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer
Patriarchats. «Wir fordern Sie auf, sich dafür einzusetzen, dass ein
Moratorium für jeglichen bilateralen Dialog zwischen EKD und der Führungsspitze der russisch-orthodoxen Kirche ausgesprochen wird», heisst es in einem Offenen Brief, der der Zeitung «Welt» vorliegt.

 «Die Hierarchie der russisch-orthodoxen Kirche», so steht in
dem Schreiben, «schafft mit ihrer Kriegslegitimation und der
Ablehnung der individuellen, unveräusserlichen Menschenrechte eine
geistige und geistliche Basis für eine autokratische Staatsmacht mit
revisionistischen und diktatorischen Zügen. Mit ihrem Segen wird ein
Angriffskrieg geführt.» Da Letzterer «auch mit ideologischen Mitteln
geführt» werde, sei die Moskauer Führungsspitze der
russisch-orthodoxen Kirche rund um Patriarch Kyrill «ein wesentlicher
Teil der russischen Kriegsmaschinerie».

 Der Brief richtet sich dem Bericht zufolge an den Generalsekretär
des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Ioan Sauca, sowie den Rat
der EKD. Hintergrund ist die Ende August und Anfang September
stattfindende Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe. Die
russisch-orthodoxe Kirche ist Mitglied des ÖRK. Bislang ist unklar,
ob sie an dem Treffen teilnimmt.Die Verfasser und Unterzeichner des Briefs plädieren dafür, die ÖRK-Mitgliedschaft der russisch-orthodoxen Kirche auf Eis zu legen. (epd)