Von Grossem träumen

Die Thurgauer Reformierten feierten am 11. Juni gemeinsam: 2‘500 Besucherinnen und Besucher lockte der Thurgauer Kirchensonntag nach Neukirch-Egnach. Regierungsrat Walter Schönholzer würdigte die Leistung der Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Am Thurgauer Kirchensonntag trafen Regierungsrat Walter Schönholzer (l.) und Kirchenratspräsident Wilfried Bührer (r.) auf Martin Luther, gespielt von Eric Wehrlin. (Bild: zVg)

«Die Kirche leistet viel für die Entwicklung der Gesellschaft und für die Vermittlung von wichtigen Werten», betonte der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer mit Blick auf den dritten Thurgauer Kirchensonntag, den er zusammen mit 2‘500 Besucherinnen und Besuchern erlebte. Das vielfältige Programm mit Musik, Tanz und hochkarätigen Gästen sei eine «warmherzige Sache», freute sich Kirchenratspräsident Wilfried Bührer.

Bührer spannte den Bogen zu Martin Luther, der vor 500 Jahren die Reformation geprägt hatte: Luther habe sich dazu berufen gefühlt, wachzurütteln. Angesichts schwindender Selbstverständlichkeiten fragte sich der Kirchenratspräsident, ob die Kirche von heute nicht ebenfalls einer epochalen Veränderung bedürfe. «Wozu sind wir heute berufen?», fragte er, und weiter: «Vielleicht müssen wir wie Jesaja sagen ‹hier bin ich, Herr, sende mich› und wieder lernen, mit mehr Selbstverständlichkeit von unserem Glauben zu reden.»

Thurgauer Thesenanschlag

Im Vorfeld des Kirchensonntags waren die Thurgauer Kirchgemeinden dazu aufgerufen, sich Gedanken um die Zukunft der Kirche zu machen und daraus Thesen zu formulieren, die sie am nachgebauten Tor der Wittenberger Schlosskirche festnagelten. Die Thesen bilden eine Basis für die Weiterentwicklung der Thurgauer Kirche. Am Kirchensonntag beschäftigte sich Martin Luther persönlich mit den Thurgauer Thesen: Der Schweizer Schauspieler Eric Wehrlin verlieh ihm Gestalt und gab vertiefende Einblicke in Leben und Denken des Reformators.

Die Egnacher Pfarrerin Simone Dors hielt in ihrer Predigt fest: «Wir Christen träumen ja von Grossem – von vollen Kirchen, von lebendigen Kirchgemeinden. An so einem Festtag wie heute, wenn wir als riesengrosse Gemeinde zusammenkommen, dann ist etwas von unseren Wünschen in Erfüllung gegangen.»

Solidarität zeigen

Diese Gemeinschaft hört für die Thurgauer nicht an der Kantons- oder Landesgrenze auf. Zu Gast am Kirchensonntag war auch Wilfred John Sundarai, Leiter des «Theological Seminary» im malaysischen Sabah. Mit der Gottesdienstkollekte unterstützt die Thurgauer Landeskirche die Pfarrausbildung an Sundarais Institut. Dieser erklärte: «Wir haben viele junge Menschen, die trotz der schwierigen Bedingungen für Christen im islamischen Umfeld bereit sind für die Pfarrausbildung. Leider fehlt uns das Geld, ihnen das vierjährige Studium zu ermöglichen.»

Kirchensonntag, Kindersonntag

Der Kirchensonntag war auch ein Kindersonntag: Rund 200 Kinder nahmen teil am Spielnachmittag, den die Cevi-Gruppen organisierten, feierten mit Liedermacher Andrew Bond Gottesdienst oder liessen sich vom Mitmach-Konzert begeistern.

 

Cyrill Rüegger und Roman Salzmann / Kirchenbote
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».