Vom Segen und Fluch des Rohstoffhandels

Unter dem Titel «Entwicklung oder Entwicklungszusammenarbeit?» lud das Forum Kirche und Wirtschaft der Zuger katholischen Landeskirche am 24. Juni ins Kloster Kappel ein. Mit von der Partie: Vertreter der Hilfswerke und des Rohstoffhandelsgiganten GlencoreXstrata mit Sitz in Baar.

Buben vor einer Mine der Glencore-Tochter MUMI (Musonoi/DR Kongo). Die Aktivitäten des Rohstoffriesen werden von Hilfswerken kritisiert. Bild: Brot für alle/Chantal Peyer

Wie gewohnt war das Forum hochkarätig besetzt: Willi Graf, Kader in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Bundes, diskutierte mit Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud (Arbeitsgemeinschaft verschiedener Hilfswerke, darunter das Heks und Brot für alle), und Michael Fahrbach, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung des Rohstoffriesen GlencoreXstrata.

 

Das von GlencoreXstrata vorgetragene Hohelied des Fortschrittes

Glencore im Streitgespräch mit Alliance Sud – das liess auf rege Diskussionen hoffen. Die blieben allerdings weitgehend aus, dafür war wahrscheinlich die Zeit für das Gespräch zu knapp bemessen. Niggli sprach über die spärliche und interessengeleitete Entwicklungshilfe des Bundes, während Fahrbach PR für sein Unternehmen machte und dessen Entwicklungsleistungen in den höchsten Tönen lobte. GlencoreXstrata schaffe nicht nur Arbeitsplätze für 200’000 Menschen (40 Prozent davon in Afrika), sie leiste auch durch den Bau von Schulen, Strassen oder Flughäfen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des jeweiligen Standorts.

Aufschlussreich war der Beitrag von Graf, der mit sehr anschaulichen Illustrationen zeigte, dass es entgegen landläufiger Ansicht durchaus Fortschritte in der Entwicklung gibt: Die Weltbevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten im Durchschnitt reicher und gesünder geworden. Private Unternehmen wie GlencoreXstrata seien für die Zusammenarbeit unabdingbar. Diese mahnte Graf allerdings zu mehr Steuerredlichkeit.

 

Die Notwendigkeit unabhängiger Organisationen im Rohstoff-Geschäft

Dass der Rohstoffriese ein Meister im «Optimieren» ist, steht auch im Bericht der Hilfsorganisationen Brot für alle und Fastenopfer, der am Eingang auslag. Auch seien die von Glencore-Xstrata gebauten Strassen zum grossen Teil nicht für die Allgemeinheit zugänglich, es gebe weiterhin Missstände, was Umwelt und Menschenrechte angehe. Fahrbach widersprach natürlich.

Insgesamt scheinen die Tätigkeiten von Unternehmen wie GlencoreXstrata umso problematischer, je schwächer der Staat ist, in dem sie operieren. Die Aufforderung Grafs, in Ländern wie dem Kongo für mehr Rechtssicherheit und weniger Korruption zu sorgen, wirkte allerdings ein wenig blauäugig. Fahrbach antwortete denn auch prompt, es sei nicht die Aufgabe eines Unternehmens, «in einem Land das politische System zu ändern».

Vielleicht ändert sich ja gerade etwas bei GlencoreXstrata. Auch der Bericht der Hilfswerke gesteht dem Unternehmen «verbesserte Richtlinien» im Hinblick auf Umweltmanagement und die Achtung von Menschenrechten zu. Inwieweit diese in die Praxis umgesetzt werden, darüber gehen die Meinungen immer noch diametral auseinander. Immerhin gesteht auch GlencoreXstrata in seinem Nachhaltigkeitsbericht 2013, «dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt». Damit diese Arbeit auch gemacht wird, dazu braucht es wohl weiterhin eine genaue Beobachtung durch unabhängige Organisationen.

 

Dieser Text erschien am 4. Juli 2014 erstmals in der Reformierten Presse.