Vatikan: Keine Einigung zu Homosexualität und Geschiedenen

Die Hoffnungen auf eine grundsätzlich neuen Ton der katholischen Kirche zu Homosexuellen und Geschiedenen waren gross. Doch eine breite Mehrheit der Bischöfe gibt es nach zwei Wochen kontroverser Beratungen im Vatikan nicht. Die Bischöfe im Vatikan fanden keine gemeinsame Haltung.


Auf Wunsch von Papst Franziskus veröffentlichte der Vatikan am Samstagabend überraschend das komplette Abschlussdokument des Bischofstreffens samt der Abstimmungsergebnisse. Die Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt hatten seit Anfang Oktober teils kontrovers beraten.

Mit dem vom Papst einberufenen Treffen reagierte die Kirche darauf, dass viele Gläubige eine Kluft zwischen ihrer Lebenswirklichkeit und der Lehre der katholischen Kirche wahrnehmen. Definitive Beschlüsse waren aber nicht erwartet worden.

Hauptstreitpunkte der Synode waren der Umgang der katholischen Kirche mit Geschiedenen und die Haltung gegenüber Homosexuellen. Am Samstag wurde dann über jeden einzelnen der 62 Punkte des knapp 20 Seiten umfassenden Abschlussdokuments abgestimmt.

Zur Verabschiedung war jeweils eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Bei drei Paragrafen wurde diese nicht erreicht. Dabei ging es um die besonders umstrittenen Punkte wie den Zugang zu den Sakramenten für nach der Scheidung wiederverheiratete Eheleute und die Aufnahme von Homosexuellen.

Zugeständnisse an Konservative

Papst Franziskus hatte im Vorfeld zu einem „barmherzigeren“ Umgang der Kirche mit ledigen Müttern, wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen aufgerufen. In einem Zwischenbericht hatte sich am Montag zunächst eine neue Haltung gegenüber Homosexuellen angedeutet, was jedoch Empörung bei Konservativen auslöste.

Beobachtern zufolge könnten die frühen Berichte sich als nachteilig für die liberalen Geistlichen ausgewirkt haben. Offenbar mussten sie nach den Berichten Zugeständnisse an die besonders konservativen Geistlichen machen.

Vorbereitung für nächste Synode

Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi betonte, das Dokument diene ohnehin als Grundlage für weitere Diskussionen und sei kein lehramtliches Dokument. Die Veröffentlichung der einzelnen Abstimmungsergebnisse sei Papst Franziskus aber wichtig gewesen.

Die strittigen Themen stünden nach wie vor auf der Agenda, betonte der Vatikan. Papst Franziskus erklärte kurz vor Ende der Synode, er sei zuversichtlich, dass im kommenden Jahr „konkrete Lösungen“ bei den umstrittenen Punkten gefunden werden könnten.

Der Synode sollen nun ein Jahr lang Beratungen folgen, bevor im Oktober 2015 eine zweite, grössere Synode abgehalten werden soll. Die Ergebnisse sollen dann dem Papst vorgelegt werden, der das letzte Wort hinsichtlich der Ausrichtung der Kirche hat.