Krieg im Nahen Osten

USA und Iran treiben Eskalation am Golf weiter voran

Im Konflikt um die Strasse von Hormus treiben Washington und Teheran die Eskalation am Persischen Golf weiter voran. Bereits zum vierten Mal in weniger als einer Woche griff das US-Militär den Iran an.

Das US-Militär attackierte mit ihrer jüngsten Angriffswelle eigenen Angaben nach Dutzende Ziele an mehreren Orten im Iran. Ziel sei, Irans Fähigkeit zu schwächen, Schiffe in der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Strasse von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom mit. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden demnach erstmals auch schwimmende Kampfdrohnen eingesetzt.

Die im Iran mächtigen Revolutionsgarden reagierten mit Vergeltungsangriffen auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain sowie auf das gut 1000 Kilometer entfernte Jordanien. Sie zielten iranischen Medien zufolge auch auf ein mobiles Raketenartilleriesystem der US-Armee in Kuwait, auf Treibstofftanks und Munitionslager des Luftwaffenstützpunkts Prince Hassan in Jordanien sowie auf ein Kontrollzentrum des US-Stützpunkts Scheich Isa in Bahrain. Ausserdem sei ein Radar zur Erkennung von Schiffen im Sultanat Oman angegriffen und zerstört worden. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Berichte über Explosionen an Irans Südküste

Iranische Medien meldeten in der Nacht zum Montag erneut Explosionen an der Südküste, unter anderem auf der Insel Gheschm und in Sirik nahe der Strasse von Hormus. Beide Orte waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel von Bombardierungen. Auch die Industrieprovinz Chusestan im Südwesten Irans wurde angegriffen. In der Stadt Mahschahr sei ein Wachmann getötet worden, der vor einer landwirtschaftlichen Wasserpumpstation stationiert war, berichtete das Onlineportal «Hammihan».

Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über heftige Explosionen in einer Hafenstadt am Persischen Golf. «In Bandar Abbas schlagen sie ununterbrochen zu, und die Schüler der elften Klasse müssen in einer Stunde in der Schule sein, weil sie eine Prüfung haben», zitierte er einen Bewohner. «Es ist die grösste Ungerechtigkeit gegenüber den Kindern. Wegen der Explosionsgeräusche haben sie die ganze Nacht kein Auge zugemacht.»

Warum der Iran die Konfrontation in Kauf nimmt

Mehrfach hatte der Iran innerhalb der vergangenen Woche Schiffe in der Strasse von Hormus angegriffen. Damit begründeten die USA wiederum ihre Angriffe. Obwohl sich die Konfliktparteien Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt hatten (ref.ch berichtete), das auch die Öffnung der Meerenge beinhaltet, ist der Streit darum nicht gelöst.

Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe erwies sich die Strasse von Hormus für die Führung in Teheran als wirkungsvolles Druckmittel, um den USA in Verhandlungen Zugeständnisse abzuringen.

«Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Strasse von Hormus als ein strategisches Ziel, und seine Führung ist der Ansicht, dass ein Kriegsende ohne die Kontrolle über die Meerenge eine schwere strategische Niederlage bedeuten würde», heisst es in einer aktuellen Analyse des Critical Threats Project (CTP) der Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute.

Mit Drohungen und Angriffen hatte der Iran den Verkehr faktisch zum Erliegen gebracht. Eine Normalisierung der Lage ist weiter nicht in Sicht. Das spiegelt sich auch in den Energiepreisen wider: Am Montag zogen die Ölpreise wieder deutlich an. Das erhöht auch den innenpolitischen Druck auf US-Präsident Trump.

Iranische Führung «ideologisch nicht gemässigter»

Mit der Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker haben die Revolutionsgarden, Irans mächtige Militärorganisation, nach gängiger Experteneinschätzung ihre Macht in der Islamischen Republik weiter ausgebaut. Die neue Führung sei sich bewusst, dass gegenüber den USA ein gewisses Mass an Pragmatismus erforderlich ist, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz in der Zeitung «Israel Hayom».

Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen, schrieb Citrinowicz. Es handle sich um eine Führung, die «ideologisch nicht gemässigter ist». Washington müsse sich entscheiden: die Konfrontation in der Strasse von Hormus zu verschärfen oder eine Vereinbarung zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. (sda/ dpa/ no)

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